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ERZÄHLUNGEN AUS DEM WESTSUDAN

HERAUSGEGEBEN VON LEO FROBENIUS

1922

VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS/JENA



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TITEL- UND EINBANDZEICHNUNG VON F.H. EHMCKE

MIT DREI TAFELN


III. Kapitel: Übertreibungen des Lebens

1. Übertreibungen

Sieben Jäger sahen sieben Elefanten in großer Entfernung, so weit, wie von Bamako bis Kati. Ein Jäger schoß einmal und schoß alle sieben auf einmal tot. Dann teilten sie die Tiere auf und jeder hatte so viel Fleischstücke, daß er sie nicht zu zählen vermochte. Sie konnten das Fleisch nicht heimtragen, bis einer der Jäger in seinem Pagne einen Karanga (Floh) fing, ihn tötete, ihm das Fell abzog, alles Fleisch in das Fell tat und es in diesem über die Schulter geworfenen Sack nach Hause trug.

2. Unwahrscheinlichkeiten

Drei Burschen gingen in den Busch, um Hirse zu ernten. Es regnete gerade. Der kleinste hatte einen Korb mit Hirse auf dem Kopf. Sein Fuß glitt weit aus, so weit wie von Bamako bis Kati. Im Fallen langte er aus einem Hause ein Messer, schnitt das am Wege stehende hohe Schilfgras, flocht daraus eine Matte und legte sie unter sich. Auf diese Weise wurden die kleinen Hirsekörner auf der Matte aufgefangen. Der Bursche stand auf, schüttelte die Hirse aus der Matte in seinen Korb und sagte: "Welche Arbeit hätte ich mit dem Sammeln der Hirsekörner gehabt, wenn ich nicht diese Matte gemacht und untergelegt hätte!"

Der größte der drei Burschen hatte in mehreren Körben 40 Hühner bei sich. Unterwegs ließ er sie zur Fütterung einmal frei aus den Körben laufen. Er streute Hirse weit hinaus, ließ sie picken und essen und schaute zu. Plötzlich kam ein Adler ganz nahe herbeigeflogen, um ein Huhn zu rauben. Der Bursche nahm alle 40 Hühner sogleich zusammen, verteilte sie in die Körbe, machte die Körbe zu und ergriff den just ankommenden Adler bei den Füßen. Dabei sagte er: "He! Du mußt mir nicht die Beine meiner Hühner zerbrechen!"

Der mittelste der drei Burschen war dann mit dem kleinsten auf der Jagd. Der kleinste legte einen Pfeil auf den Bogen und schoß ihn auf eine Antilope ab. Der zweite sprang gleichzeitig auf; er rannte zur Antilope; er fing die Antilope; er tötete sie; er zerlegte sie; er legte die Decke zum Trocknen in die Sonne; er steckte das Fleisch in seinen Schultersack. In diesem Augenblick kam der Pfeil angeflogen. Der Bursche fing den Pfeil mit der Hand neben sich auf und sagte: "He! Du mußt mir nicht meinen Schultersack verletzen."

3. Jägerlegende

Ein Jäger (=ndonso-nke auf Bammana) tötete viele Tiere. Wenn er Tiere schoß, stieg er auf einen hohen Baum, auf eine Sebe (=borassus). Er hatte einen Sohn. Wenn der Jäger auf die Jagd gehen wollte, sagte er zu seinem Sohn: "Geh in den Wald und beschimpfe das Wild." Der Sohn ging nun in den Wald, beschimpfte ein Tier, und die Tiere versammelten sich, um sich zu besprechen. Der Jäger schoß dann einfach dazwischen und schoß so viele Tiere.

4. Übertreibung

Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Kurminisang; der aß nichts als Steine. Er aß und aß Steine und wurde sehr stark. Er ging in den Busch und tötete sieben Elefanten. Er nahm einen Elefanten und trug ihn auf der Schulter in das Dorf. Er trug alle sieben Elefanten derart in das Dorf.

Es kam darauf ein ganz großer Vogel. Der Vogel ergriff Kuruminisang mit seinen sieben Elefanten und trug den ganzen Haufen in die Lüfte und in sein Dorf. Das sah ein Freund Kuruminisangs. Er überfiel den Vogel. Er schlug dem Vogel den Kopf ab. Der Kopf flog aber wieder zum Vogel zurück, und er war wie vorher. So ging es mehrmals.

Da sang ein kleines Vögelchen im Busch: "Es gibt hier nur eine Möglichkeit des Gelingens. Du mußt den Kopf, sowie du ihn abgeschlagen hast, sogleich begraben." Der Mann machte es so. Seitdem das geschehen ist, hat man begonnen, die Menschen zu begraben. Vorher hat man das nicht getan.

5. Übertreibung

Im Anfange gab es nur alte Ziegen. Noch nie hatte eine Ziege geboren. Es war aber ein Land mit Namen "Meinen", in dem lebte ein einziger junger, geiler Ziegenbock. Der Ziegenbock war mit einer Schnur an der Türe des Hauses festgebunden.

Die Ziegen machten sich auf den Weg, um dem Ziegenböcklein einen Besuch abzustatten. Die Ziegen kamen in die Stadt des Böckleins. Als die Ziegen ankamen, wurde der Bock am Strick in die Hütte hereingezogen. Das Böcklein streckte aber seinen Kopf zur Türe heraus. Es meckerte. Die Ziegen standen rings herum und meckerten. Das Böcklein meckerte so, daß die Ziegen sogleich schwanger wurden. Die Ziegen meckerten das Böcklein meckerte.



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Die Jungen in den Ziegenleibern mehrten sich. Hätte man nicht zuletzt das Böcklein ganz hereingezogen in die Hütte, so wären die Ziegenleiber geplatzt - derart mehrten sich die Jungen.

6. Übertreibung

Ich habe eine Frau gesehen, die war die Tochter eines Fama. Man konnte sie nicht beschneiden, denn ihre Biekisse (Klitoris) war so lang, daß sie von Bamako bis Kulikorro reichte. Es wurden 120 Frauen der Numu herbeigerufen, um die Biekisse zu beschneiden. Aber die 120 Frauen vermochten es nicht. Hierauf wurden 120 Numu herbeigerufen, von denen jeder ein schweres Beil zum Abschlagen mitbrachte. Aber auch diese vermochten es nicht. Aber Kulle Koke, der Schmied, brachte es dann fertig.

7. Ehebedingung

Ich habe eine Frau gesehen, die war richtig verheiratet. Der Ehemann hatte seine Frau nur einmal beschlafen, da war sie schon schwanger. Noch in derselben Nacht gebar sie ihr Kind. Es war eine Tochter. Das Mädchen war sehr schön. Alle Leute kamen, um die Tochter zu werben. Der Vater des Mädchens sagte aber: "Wer meine Tochter heiraten will, der muß ein Haus vollscheißen." Es war das sein letztes Wort.

8. Übertreibung

Ich habe eine Frau gesehen, die war ioo Jahre lang schwanger. Sie konnte nicht gebären, bis ihr Sohn einen langen Bart (im Mutterleib) hatte.

Der Junge ging im Leib der Mutter umher, er aß, er wuchs heran. Dann hat man ihn im Mutterleibe beschnitten. Aber die Mutter konnte ihn nicht gebären.

Der Junge sagte im Mutterleibe: "Morgen früh will ich die Köpfe aller alten Frauen im Dorfe abschlagen." Am anderen Morgen ward der Junge geboren. Er brachte einen Säbel mit zur Welt, und damit schlug er allen alten Frauen des Landes die Köpfe ab.

9. Übertreibung

Im Anfange gab es nur eine einzige Frau; die ward schwanger. Als diese Frau Marima nachher gebar, da war das am Morgen und das Kind war ein Sohn.



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Damals gab es außer der Frau nur einen Sohn, der war weit fort und in Segu. Er kam von Segu herüber nach Bamako und sagte zu der Frau: "Ich will dich heiraten." Der Bursche kam aber nicht selbst, sondern er sandte seinen Kajakalli (Geschlechtsteile). Der Mann blieb in Segu und sein Kajakalli sagte in Bamako: "Ich will dich heiraten."

Frau Marima blieb am Platze (in Bamako). Sie sandte aber eine Antwort. Sie sandte ihre Leibperlenschnur zum Burschen. Die Perlenschnur sang unterwegs:

"Ne (ich) tjeje (mein Mann) nkilli (ruft) la: ojo ko ojaka" (ein Gesang)."

10. Übertreibung

Ich kannte ein Mädchen, das nicht aß wie die anderen Leute. Das Mädchen aß, um das Leben zu erhalten, nur Baumblätter. Wenn sie die Baumblätter aß, so begannen die Blätter im Munde zu sprechen, zu trommeln, Flöte und Horn zu blasen und zu klappern.

11. Ehebedingung

Ein Mann heiratete eine Frau. Sie hatten eine Tochter, die war sehr hübsch. Es bewarben sich viele Leute um sie. Der Mann hatte einen großen Affenbrotbaum (=sire), der hing voller Früchte. Die Tochter hatte ein großes Feld mit Hirse (fini n' forro = Hirsefeld; fini = Hirse; forro =Feld) und ein großes Feld mit Tiga (Erdnüssen) bestellt. Alle Freier kamen. Der Vater sagte: "Nur der erhält meine Tochter, der an einem Tage alle Früchte des Affenbrotbaumes und die beiden Felder mit Hirse und mit Erdnüssen aberntet. Nur der erhält meine Tochter, der das alles an einem Tage zu verrichten imstande ist."

Keiner konnte es, bis auf einen kleinen Knaben. Er erntete die Früchte des Affenbrotbaumes, die Hirse und die Erdnüsse an einem Tage. Der Knabe war sehr dürr. Man gab ihm das Mädchen zur Frau.

12. Der Flötenmann

Ein Mädchen wollte niemand heiraten. Das hörte ein Mann, der das Mädchen arg leiden mochte. Da verwandelte er sich in eine (Flöte) und legte sich in dieser Gestalt vor die Haustüre des Mädchens. Das Mädchen fand die Flöte, nahm sie auf, lief zur Mutter und zeigte sie ihr. Die Mutter sagte: "Du hast eine hübsche Flöte



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gefunden. Niemand hat wohl eine so hübsche Flöte im Dorfe wie du." Das Mädchen nahm die Flöte auf und mit in ihr Haus. Sie steckte sie in die Wand.

Abends badete sich das Mädchen. Da begann die Flöte zu sprechen und sagte: "Ich möchte mich auch baden." Das Mädchen sprang auf, aus dem Hause, zur Mutter und sagte: "Mutter, die Flöte hat eben gesagt: ,Ich möchte mich auch baden.' Mutter, die Flöte ist sicher ein Mann." Die Mutter sagte: "Laß sie nur. Du hast die hübscheste Flöte im Dorfe." Das Mädchen ging zurück in sein Haus.

Das Mädchen legte sich auf seine Tara (Bett). Die Flöte in der Wand sagte: "Ach, ich möchte mich auch auf die Tara legen!" Das Mädchen sprang auf, aus seinem Hause und zur Mutter und sagte: "Mutter, die Flöte hat eben gesagt: ,Ach, ich möchte mich auch auf die Tara legen!' Mutter, die Flöte ist sicher ein Mann." Die Mutter sagte: "Laß gut sein! Du hast die hübscheste Flöte im Dorfe. Lege sie nur ruhig auf deine Tara." Das Mädchen ging zurück in sein Haus.

Das Mädchen nahm die Flöte von der Wand, legte sich auf die Tara und die Flöte neben sich. Die Flöte sagte: "Ach, ich möchte zwischen deinen Brüsten (= toto) liegen!" Das Mädchen sprang auf, aus dem Hause, zur Mutter und sagte: "Mutter, die Flöte hat eben gesagt: ,Ach, ich möchte zwischen deinen Brüsten liegen!' Mutter, die Flöte ist sicher ein Mann." Die Mutter sagte: "Laß gut sein! Du hast die hübscheste Flöte im Dorfe; lege sie ruhig zwischen deine Brüste." Das Mädchen ging zurück in sein Haus.

Das Mädchen legte sich auf die Tara, sie nahm die Flöte und legte sie auf den Busen zwischen die Brüste. Da ward aus der Flöte ein großer, kräftiger Mann mit einem mächtigen Fosso, den steckte er in die Bie des Mädchens und beschlief es dann. — Am anderen Morgen ging das Mädchen zu seiner Mutter und sagte: "Nun bin ich doch verheiratet, denn die Flöte war natürlich doch ein Mann. Aber es ist gut so." Da sagte die Mutter: "Siehst du!"

13. Der Mann mit dem großen Kaja

Ein Mann mit Namen Dennje hatte einen riesengroßen Kaja (Hoden). Der Kaja war so groß wie er selber. Der Kaja aß selbständig. Der Kaja trug den Dennje selbständig in den Busch und dann wieder heim.



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Eines Tages traf Dennje Sonsanni. Sonsanni sagte: "Dennje, sage mir, hast du denn gar keine Angst? Dein Kaja könnte dich doch einmal gründlich beißen! Mir sieht die Sache fast gefährlich aus. Ich würde den Kaja ernstlich überwachen. Es ist doch ein recht großer und gefährlicher Kaja!" Dennje sah seinen Kaja bedenklich an. Dennje bekam Angst. Dennje begann vor seinem Kaja fortzulaufen. Der Kaja kam mit: "Gilligilli bollai, gilligilli boilai, gilligilli bollai!" hinterher. Dennje erschrak bei dem starken Geräusch und rannte von dannen. Sonsanni rief Dennje nach: "Wenn er dir wirklich etwas tun will, komm nur zu mir." Dennje rannte von dannen.

Dennje rannte von dannen. Der Kaja rannte "gilligilli bollai, gilligilli bollai" hinter ihm her. Er sagte: "Sonsanni hat mir gesagt, wenn er dir wirklich etwas tun will, komm nur zu mir!" Dennje rannte zu Sonsanni. Sonsanni sagte: "Was hast du denn?" Dennje sagte: "Mein Kaja verfolgt mich und will mich beißen." Sonsanni sagte: "Verstecke dich nur hier; ich will dich beschützen." Nach einiger Zeit kam er: "Gilligilli bollai, gilligilli bollai, gilligilli bollai!" Sonsanni sagte: "Was ist das?" Dennje sagte: "Das ist mein Kaja!" Sonsanni sagte: "Das ist ja fürchterlich! Lauf fort!" Sonsanni lief fort, Dennje lief fort.

Dennje rannte von dannen. Er kam zu Uarrani (Fuchs). Uarrani fragte: "Was hast du denn?" Dennje sagte: "Mein Kaja verfolgt mich und will mich beißen." Uarrani sagte: "Verstecke dich nur hier, ich will dich schützen!" Nach einiger Zeit kam er: "Gilligilli bollai, gilligilli bollai, gilligilli bollai!" Uarrani sagte: "Was ist das?" Dennje sagte: "Das ist mein Kaja." Uarrani sagte: "Das ist ja fürchterlich! Lauf fort!" Uarrani lief fort, Dennje lief fort.

Dennje rannte von dannen. Er kam zu Saradigi (Schafbock). Saradigi fragte: "Was hast du denn?" Dennje sagte: "Mein Kaja verfolgt mich und will mich beißen. Sonsanni ist auch vor ihm fortgelaufen; Uarrani ist auch fortgelaufen." Saradigi sagte: "Ach, ich weiß, was große Kaja sind. Verstecke dich nur!"Dennje versteckte sich. Der Kaja kam an: "Gilligilli bollai, gilligilli bollai, gilligilli bollai!" Saradigi senkte den Kopf. Als der Kaja ganz dicht dabei war, senkte er den Kopf, durchbohrte Kaja mit seinen großen Hörnern und schleuderte ihn in die Luft. Der Kaja platzte, und aus dem Wasser, das darin war und das den großen Radau beim Laufen gemacht hatte, entstand ein großer Strom.

14. Unwahrscheinlichkeiten

Zwei Burschen wurden von ihren Vätern verjagt, weil sie zuviel aßen. Der eine Vater jagte seinen Sohn fort und gab ihm in einem Korbe das Fleisch von einem Ochsen als Wegzehrung mit. Der andere Vater jagte seinen Sohn fort und gab ihm einen großen Korb mit kleinen Erdnüssen (= tiga nenkurru) mit. Am Stadtende trafen sich beide und beschlossen zusammen zu gehen.

Sie kamen zum Tore heraus. Da stand ein großer Sira (Baobab). Der mit dem Fleisch sagte: "Ich werde rechts herumgehen, geh du links; drüben treffen wir uns." Der mit den Erdnüssen sagte: "Es ist gut." Jeder ging in langsamen Schritten, aber ohne anzuhalten, um den Baum herum und aß von den Lebensmitteln, die einem jeden sein Vater mitgegeben hatte, der eine von seinem Ochsenfleisch, der andere von seinen Erdnüssen.

Sie gingen nur um den Boabab herum, aßen während des Gehens und trafen auf der anderen Seite wieder zusammen. Aber als sie wieder zusammen kamen, hatte der eine das Fleisch von einem ganzen Ochsen und der andere eine große Korbladung kleiner Erdnüsse aufgegessen und hatte schon wieder ein Stückchen auf der Flöte zu blasen begonnen.

15. Die Vertriebenen

Drei Burschen waren zusammen auf der Wanderschaft. Des einen Bart war so lang, daß, wenn er über den Fluß setzte, alle Fische aufsprangen und aus dem Wasser schnellten, um ihn zu sehen. Der Bursche hieß Bunsiba. Der zweite Bursche hieß Nsegakolonsi. Wenn er auftrat, entstand im Boden ein Loch wie ein Brunnen, aus dem Wasser aufsprang. Der dritte Bursche hieß Sirabonjintereke. Er nahm, um sich die Zähne zu putzen, die größten Bäume aus dem Boden, schnitzte die Zweige ab und benützte die übrigbleibenden Stämme als Zahnbürste.

Als Bunsiba von seinem Vater weggejagt wurde, hatte der ihm einen Sack mit Hirsemehl für die Bereitung des Kuskus mitgegeben. Nsegakolonsi war auch von seinem Vater herausgeworfen worden und hatte einen Sack mit Tiga (Erdnüssen) auf den Weg mitbekommen. Sirabonjintereke hatte, als er von seinem Vater verjagt wurde, einen Sack mit Tiga nenkurru (ganz kleine, harte Erdnüsse) erhalten. Der Vater hatte zu ihm gesagt: "Diese harten Tiga nenkurru sind für deine Zähne gerade recht."



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Die drei Burschen machten unter einem großen Baume halt. Sie begannen zu essen. Sie verzehrten erst den Kuskus, dann die Tiga. Als sie damit fertig waren, blieben die Tiga nenkurru übrig. Diese aßen sie nun, Stück für Stück. Sie nahmen der Reihe nach immer jeder eine Erdnuß. Zuletzt blieb eine einzige Nuß übrig. Die drei Burschen begannen wegen der Nuß zu streiten. Sie stritten hin und her.

Zuletzt kam ein Reiter vorbei. Er hörte den Streit. Er stieg ab. Er nahm sein Messer und teilte die Nuß in drei gleiche Teile. Er verletzte mit dem Messer aber den Sirabonjintereke.

16. Die Vertriebenen

Ein Bursche wurde von seinem Vater vertrieben, weil er soviel aß. Der Vater gab ihm einen Korb Bohnen mit. Der Bursche ging hinaus und weinte. Ein anderer Bursche wurde auch von seinem Vater vertrieben, weil er soviel aß. Der Vater gab ihm einen Korb Bohnen mit. Der Bursche ging hinaus und weinte. Ein anderer Bursche wurde von seinem Vater vertrieben, weil er soviel aß. Der Vater gab ihm einen Korb Bohnen mit. Der Bursche ging hinaus und weinte. Auf der Straße trafen sich die drei Burschen. Der eine fragte den anderen, weshalb er weine. Sie sagten: "Wir haben dasselbe Schicksal, wir haben die gleiche Menge Bohnen. Wir wollen zusammen wandern und die Bohnen zusammenwerfen." Sie taten so.

Sie kamen sehr bald an einen Busch und begannen die Sasso (Bohnen) zu kochen. Als sie gekocht hatten, begannen sie zu essen. Der eine griff mit der Hand hinein, um gleich einen ganzen Haufen zum Munde zu führen. Die anderen sagten: "Du wirst zuviel essen." Der Junge sagte: "Ich werde doch nicht die Nägel dazu nehmen!" Dann einigten sie sich dahin, daß jeder eine Bohne nach der anderen nahm, immer abwechselnd untereinander. Bald waren alle Bohnen bis auf eine einzige gegessen. Da sie gezählt und immer abwechselnd genommen hatten, wußten sie, daß jeder soviel zu sich genommen hatte wie der andere. Sie waren sehr traurig, denn sie wußten nun nicht, was sie mit der letzten einen Bohne machen sollten. Der erste sagte: "Was sollen wir da machen?" Der zweite sagte: "Was sollen wir da machen?" Der dritte sagte: "Was sollen wir da machen?" Sie sagten: "Wenn einer die Bohne bekommt, dann werden die anderen traurig sein."



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Es kam ein Jäger des Weges. Der sah die Burschen in ihrer Traurigkeit. Er fragte: "Was habt ihr?" Die Burschen sagten: "Wir aßen unsere Bohnen. Jeder nahm immer eine. Nun blieb eine übrig. Wenn wir die einem einzigen geben, so werden die anderen traurig sein." Der Jäger sagte: "Das ist sehr einfach." Er nahm sein Messer hervor und schnitt die Bohne in drei Teile. Dann wollte er das Messer an der Zunge abwischen. Er strich darüber, aber schnitt sich dabei die Zunge ab.

17. Unwahrscheinlichkeiten

Drei Burschen besuchten jeden Abend mit ihren Mädchen die andere Seite des Flusses. Einmal war der Fluß ganz wasserleer. Sie gingen trockenen Fußes hinüber. Sie kamen gegen Mitternacht zurück. Da war das Bett voller Wasser. Sie konnten so nicht hinüber.

Da nahm der erste ein kleines Stückchen Holz auf. Er stellte sich mit seiner Braut darauf und schwamm so hinüber. Der zweite zog seine Geldbörse heraus, tat alles Wasser hinein und ging mit seiner Braut hinüber. Der dritte nahm sein Messer, schnitt das Wasser auseinander, so daß es rechts und links stand und ging mit seinem Mädchen auf die andere Seite.

18. Unwahrscheinlichkeiten

Vier Burschen gingen zusammen auf die Wanderschaft. Der eine war von seinem Vater fortgejagt, weil er so rote Augen hatte. Der zweite sah sehr weit. Der dritte traf erstaunlich weit. Der vierte lief außerordentlich schnell. Sie gingen zusammen. Der eine sagte: "Ich sehe jenseits des Berges sieben Elefanten." Der zweite sagte: "Ich schieße die sieben Elefanten." Er tat es. Der dritte sagte: "Da ist viel Fleisch, aber es muß herbeigebracht werden. Ich werde es holen." Er lief hin und brachte sogleich alles Fleisch herbei. Der vierte sagte: "Jetzt ist das viele Fleisch hier, aber es muß gekocht werden. Es ist noch ganz roh. Ich werde es zubereiten." Der vierte sah darauf mit seinen roten Augen so lange und scharf auf das Fleisch, daß es geröstet ward und an einer Seite fast anbrannte.

Darauf aßen die vier Burschen alle sieben Elefanten hintereinanderweg auf und verschwanden dann.

19. Unwahrscheinlichkeiten

Drei Burschen gingen zusammen. Der eine sah sehr gut. Der zweite schoß sehr gut. Der dritte war sehr stark. Der scharfsichtige sah gen Himmel und bemerkte da oben ein Pferd, das war über den Wolken mit einer ganz dünnen Schnur angebunden. Der zweite legte einen Pfeil auf und schoß nach der Schnur. Er schoß die Schnur durch. Der dritte breitete die Arme aus und fing das Pferd mit den Armen auf. Er sagte dabei: "Damit sich unser Pferdchen nicht die Beine bricht!" Darauf setzten sich alle drei auf das Pferd und ritten von dannen.

20. Unwahrscheinlichkeiten

Drei Leute waren zusammen auf der Wanderschaft. Sie hatten sieben Kamele beladen mit kleiner Hirse. Beim Übersetzen über einen Strom fiel ein Korn ins Wasser. Der eine hörte sehr gut. Er hörte das Korn fallen. Der zweite tauchte sehr gut, er sprang ins Wasser und holte es wieder empor. Der dritte zählte sehr gut, und ehe der zweite noch aus dem Wasser wieder emporgekommen war, hatte er durch Nachzahlen der sämtlichen sieben Kamellasten festgestellt, daß in der Tat nur dies eine Korn fehlte.

Nachdem sie so durch Auffinden des verlorenen Kornes ihre Ladung wieder ergänzt hatten, zogen sie weiter.

21. Unwahrscheinlichkeiten

Drei Burschen waren gemeinsam auf der Wanderschaft. Der eine war von seinem Vater verjagt worden, weil er so gut hörte. Der zweite war von seinem Vater verjagt worden, weil er so gut zählen konnte. Der dritte war von seinem Vater verjagt worden, weil er so gut sah.

Die drei Burschen hatten Säcke mit Hirse bei sich. Sie setzten über einen Fluß. Sie luden die Hirse auf ein Boot. Als sie auf der Mitte des Wassers waren, sagte der, der so gut hörte: "Eben ist ein Hirsekorn ins Wasser gefallen; ich habe es genau gehört." Der, der so gut sah, sagte: "Das werde ich sogleich suchen" und sprang ins Wasser. Der dritte sagte: "Ich werde nachzahlen, ob es wahr ist." Der dritte begann zu zählen und war alsbald fertig. Er sagte: "Es ist richtig, es fehlt ein Korn." In demselben Augenblick kam aber auch der zweite aus dem Wasser und sagte: "Hier ist es."

22. Der starke Bube

Kassa Kena Ganina (ein lustiger Bursche) sagte: "Ich bin ein starker Junge, es gibt unter den Lebenden keinen Menschen, der mir gleichkommt." Er hatte zwei Kameraden: In Ba Farra und Kongo Li Ba Jelema. Kassa Kena Gananina hatte eine Eisenstange. Eines Tages ging er mit der Eisenstange in den Busch und schlug damit 20 große Antilopen mit einem Streiche tot. Er sagte zu seinen beiden Kameraden: "Wer geht nun in den Wald, um Feuerholz zu holen." Sie fürchteten sich beide, allein zu gehen. Darauf sagte er: "In Ba Farra mag hier zurückbleiben und das Fleisch bewachen. Ich werde mit Kongo Li Ba Jelema hingehen und Feuerholz holen." Er ging mit dem Kameraden fort.

Als die anderen beiden weggegangen waren und In Ba Farra allein war, kam ein großer Vogel, ein großer Konoba (Weihe), herangeflogen und sagte: "Was soll ich nehmen, dich oder das Fleisch?" In Ba Farra sagte: "Dann nimm lieber das Fleisch!" Der Konoba nahm das Fleisch und flog damit von dannen. — Die beiden Kameraden kamen zurück. In Ba Farra sagte: "Als ihr gegangen waret, kam ein großer Konoba und fragte: ,Was soll ich nehmen, dich oder das Fleisch?' Ich sagte: ,Dann nimm lieber das Fleisch.' Der Konoba nahm das Fleisch und flog damit von dannen." Kassa Kena Gananina sagte: "Da hättest du sagen müssen: Nimm lieber mich."

Am anderen Tage ging Kassa Kena Gananina mit In Ba Farra in den Wald, um Feuerholz zu holen, und Kongo Li Ba Jelema blieb allein zurück, um das Fleisch zu beaufsichtigen. Als die anderen beiden fortgegangen waren, kam ein großer Vogel, ein Konoba, herabgeflogen und sagte: "Was soll ich nehmen, dich oder das Fleisch?" Kongo Li Ba Jelema sagte: "Dann nimm lieber das Fleisch." Der Konoba nahm das Fleisch und flog damit von dannen. Die beiden Kameraden kamen zurück. Kongo Li Ba Jelema sagte: "Als ihr gegangen wart, kam ein großer Konoba und fragte: ,Was soll ich nehmen, dich oder das Fleisch?' Ich sagte: ,Dann nimm lieber das Fleisch.' Der Konoba nahm das Fleisch und flog damit von dannen." Kassa Kena Gananina sagte: "Da hättest du wenigstens sagen sollen: Dann nimm lieber mich! Nun, morgen werde ich das Fleisch beaufsichtigen."

Am anderen Tage gingen In Ba Farra und Kongo Li Ba Jelema in den Wald, um Feuerholz zu holen, und Kassa Kena Gananina



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blieb allein zurück, um das Fleisch zu bewachen. Als die anderen beiden fortgegangen waren, kam ein großer Konoba herangeflogen und sagte: "Was soll ich nehmen, dich oder das Fleisch?" Kassa Kena Gananina sagte: "Nichts sollst du nehmen, weder mich noch das Fleisch!" Er ergriff seine große schwere Eisenstange und warf sie nach dem Vogel, so daß er tot zur Seite niederfiel.

Eine Feder löste sich aber aus dem Gefieder des Konoba los und fiel Kassa Kena Gananina in den Rücken. Die war so schwer, daß der Bursche hinstürzte und, da die Feder auf ihm liegenblieb, sich auch nicht aufzurichten vermochte. Eine Frau, die ein kleines Kind auf dem Rücken trug, kam vorbei. Der Bursche sagte: "Rufe meine Kameraden aus dem Walde, damit sie die Feder von mir nehmen." Die Frau ging hin und rief die Burschen aus dem Walde herbei. Die beiden versuchten es, die Feder hochzuheben, aber sie vermochten es nicht. Die Feder war für die zwei starken Jungen zu schwer.

Da beugte sich die Frau vor und blies die Feder mit dem Munde fort. Dann nahm sie den toten Vogel auf, gab ihn dem Kinde, das sie auf dem Rücken trug, zum Spielen und ging behaglich mit Kind und Vogel von dannen.

23. Tauschen

Eine alte Frau (Mussu Koroni) hatte einen Sohn. Der Sohn hatte zwei Söhne, welche kleine Buben waren. Der Sohn starb und ließ der alten Frau die beiden Enkelkinder zurück. Die alte Frau sorgte für die Kinder. Eines Tages fand sie im Busch zwei kleine Vögelchen. Sie nahm sie mit nach Hause und gab jedem Kind ein Vögelchen zum Spielen. Das eine Kind nahm das Vögelchen sogleich, warf es ins Feuer und aß es, als es geröstet war, auf.

Der andere Knabe nahm sein Vögelchen und ging damit zum Numu. Er gab das Vögelchen dem Numu. Der Numu briet es und aß es. Dann begann der Knabe zu weinen und sagte: "Du hast mein Vögelchen gegessen." Um ihn zu beruhigen, gab der Schmied ihm ein Messer.

Der Knabe ging mit seinem Messer von dannen und kam zu Leuten, die brachen mit den Händen Bambus. Der Knabe sagte: "Warum brecht ihr den Bambus mit den Händen? Hier nehmt mein Messer!" Die Leute nahmen das Messer und arbeiteten damit. Nach einiger Zeit zerbrach das Messer. Da begann der Knabe zu



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weinen und sagte: "Ihr habt mein Messer zerbrochen." Um ihn zu beruhigen, gaben ihm die Leute einen Korb, den sie aus Bambusstreifen geflochten hatten.

Der Knabe ging mit dem Bambuskorb von dannen. Er kam an einer Frau vorbei, die sammelte Schifrüchte (=segusila) und trug sie in ihrem geschürzten Kleide heim. Der Knabe sagte zu der Frau: "Weshalb trägst du das in deinem Kleide? Hier nimm meinen Korb" (=sagi). Die Frau legte die Schifrüchte in den Sagi und trug sie zum Dorf. Sie holte mehrmals Schifrüchte. Dann zerbrach der Korb an einer Stelle und bekam ein Loch. Da begann der Knabe zu weinen und sagte: "Jetzt hast du meinen Korb zerbrochen." Um den Knaben zu beruhigen, gab die Frau ihm einen Schikuchen.

Der Knabe ging mit seinem Schikuchen von dannen und kam an einem Baum vorbei, der hatte einen sehr dürren und trockenen Stamm. Der Knabe sagte: "Gott hat dich ganz dürr und trocken gemacht, da will ich dir etwas von meiner Schibutter abgeben. Er begann den Stamm mit der Schi einzureiben. Zuletzt war die Schi verbraucht. Da begann der Knabe zu weinen und sagte: "Nun hast du meine Schi verbraucht." Um den Knaben zu beruhigen, warf der Baum ein ordentliches Stück trockenen Holzes herunter.

Der Knabe ging mit seinem Holz von dannen und kam an einer Genossenschaft von Diula vorbei. Die Diula saßen mit übergeschlagenen Armen da und froren, denn es war kalt, und sie hatten kein Feuer. Der Knabe gab ihnen das Holz hin und sagte: "Nehmt es. Macht euch ein Feuer, damit ihr nicht so friert." Die Diula nahmen das Holz, machten ein Feuer und erwärmten sich. Nachher war aber das Feuer heruntergebrannt und das Holz verbraucht. Da begann der Knabe zu weinen und sagte: "Ihr habt mein Holz verbraucht." Um den Knaben zu beruhigen, gaben die Diula ihm einige Handvoll Salz.

Der Knabe nahm sein Salz und ging damit von dannen. Nach einiger Zeit kam er an einen Fluß, und da er Durst hatte, schöpfte er daraus und trank. "Er sagte: Oh, du bist so ein großer Fluß und dein Wasser schmeckt nicht ein wenig nach Salz. Ich werde dir mein Salz geben." Der Knabe warf sein Salz in das Wasser. Das Wasser nahm das Salz und führte es von dannen. Da weinte der Knabe und sagte: "Ach, du hast mein Salz fortgenommen. Nun habe ich kein Salz mehr." Das Wasser führte ihm, um ihn zu beruhigen, einen großen Fisch zu.



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Der Knabe nahm den Fisch und ging von dannen. Nach einiger Zeit kam er an einem König vorbei, der haschte nach Torri (wahrscheinlich Taschenkrebse). Sie liefen aber immer schnell fort. Der Knabe gab ihm seinen Fisch und sagte: "Du mußt ihnen etwas hinhalten, sonst halten sie nicht an." Der König nahm den Fisch, warf den Torri Brocken davon hin, fing sie und hatte so ein großes Vergnügen. Endlich war der Fisch zerrissen und ganz verbraucht. Da fing der Knabe an zu weinen und sagte: "Du hast meinen Fisch verbraucht. Nun habe ich keinen Fisch mehr." Um den Knaben zu beruhigen, gab ihm der König Sklaven, Ochsen, Gold usw.

Der Knabe ging mit seinen Schätzen von dannen und kam nach Hause. Die Großmutter fragte: "Wie bist du zu alledem gekommen?" Der Knabe sagte: "Das hat mir alles mein Vögelchen verdient. Du hast damals meinem Bruder ein Vögelchen geschenkt und mir ein Vögelchen geschenkt. Mein Bruder hat sein Vögelchen gegessen. Mein Vögelchen hat mir viel verdient." Da sagte die Großmutter zu dem anderen Knaben: "Du weißt nichts mit deinen Sachen anzufangen. Dein Bruder aber ist verständig."

24. Die Dummköpfe

Drei Kameraden waren zusammen auf der Wanderschaft. Sie waren alle drei von ihren Vätern verjagt, weil sie Dummköpfe waren. Sie gingen zusammen in den Busch. Sie kamen zu einem Dorf und baten dessen Chef, er möchte ihnen Arbeit geben. Der Chef fragte: "Weshalb lauft ihr herum?" Die Burschen sagten: "Weil unsere Väter uns verjagt haben." Der Chef fragte: "Weshalb haben euch eure Väter verjagt?" Die Burschen sagten: "Weil wir Dummköpfe seien." Der Chef sagte: "Ich werde euch morgen Arbeit geben, und dann werde ich sehen, ob ihr Dummköpfe seid."

Am anderen Tage erhielten die drei Burschen Arbeit. Der eine sollte hingehen und Fische fangen. Der zweite sollte hingehen und im Walde Schnur drehen. Der dritte sollte hingehen und Früchte vom Affenbrotbaum sammeln.

Der erste ging hin und fing vom Morgen bis zum Abend Fische. Als er aber heimkam, hatte er vor Eifer vergessen zu trinken, und er kam fast um vor Durst. Der zweite drehte Schnüre vom Morgen bis zum Abend. Als er einen großen Haufen beieinander hatte, sah er sich aber vergebens nach etwas um, womit er die Schnüre zusammenbinden konnte. Der dritte legte sein Hackmesser auf die



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Erde, lehnte sich an einen Baum und sagte: "Jetzt bin ich gespannt, wie mein Hackmesser die Arbeit verrichten wird."

Als der Chef das hörte, jagte er alle drei Burschen fort und sagte: "Es ist wahr, ihr seid wirklich Dummköpfe."

25. Hamadi Uoloni

Ein alter Mann nahm eine Kuh mit, ging auf die Wanderschaft und sagte: "Ich möchte doch wissen, wer schlauer ist als ich; dem will ich diese Kuh schenken." Er kam bald an ein Dorf und sagte: "Gebt mir Wasser für meine Pfeife (zum Rauchen) und Feuer zum Trinken." Die Leute verstanden ihn nicht und sagten: "Das sind eigenartige Worte. Wo kommst du her ?" Der alte Mann sagte: "Ich bin gestern mit einer Sonne (statt Kriegsschar) zusammengekommen um die Zeit, als der Kriegszug (statt Sonne) auf der Mittaghöhe stand." Darauf sagten die Leute: "Geh weiter, es wird niemand mit deiner Art zu tun haben wollen. Wir verstehen dich nicht."

Der Alte ging weiter. Er kam in manches Dorf und sagte überall: "Djennigo, dinnigo henni tle!" (Bammanaworte, heißt: Knaben, Mädchen, guten Tag!). Einmal kam er an einen Banianenbaum vor dem Dorfe, da spielten die Knaben Mpere (mit Eisenpflöcken). Unter den Knaben war Hamadi Uoloni, der so schlau war wie ein Rebhuhn. Zu dem kam der Alte und sagte: "Geh, hole mir Wasser zum Rauchen." Der Bursche sagte: "Gern; du aber trag' mir den Mpere-Spielplatz aus der Sonne in den Schatten."

Der Knabe ging. Es währte lange, bis er wiederkehrte. Als er mit dem Wasser kam, sagte der Alte: "Du hast lange gebraucht." Der Bursche sagte: "Ja, das Wasser meiner Mutter, der Topf meiner Mutter hatten die Regel. Da mußte ich warten, bis das vorüber war." Der Alte sagte: "Hole mir Feuer zum Trinken." Der Knabe ging. Er blieb lange fort. Als er wiederkam, schalt der Alte. Der Knabe sagte: "Was willst du, ich mußte das alte Feuer vom neuen scheiden. Der Alte fragte: "Ist deine Mutter daheim?" Der Bursche sagte: "Nein, meine Mutter ist nicht da, sie vertritt Gott." Der Alte fragte: "Wo ist deine ältere Schwester?" Der Knabe sagte: "Meine ältere Schwester schlägt sich gerade mit zwei Männern." Der Alte sagte: "Wo ist dein älterer Bruder?" Der Knabe sagte: "Mein älterer Bruder verrichtet einmal eine ordentliche Arbeit. — Aber mein guter Alter, du fragst und forderst viel und doch hast du meinen



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Mpere-Spielplatz nicht aus der Sonne in den Schatten gerückt." Da gab der Alte dem Knaben die junge Kuh, die noch nie geworfen hatte, und sagte: "Nimm sie; du bist klüger als ich. Ich habe von dem, was du sagtest, nur Worte verstanden, sonst nichts. Nun erkläre mir die Worte."

Der Knabe sagte: "Allerdings bist du nicht so klug wie ich, deshalb nehme ich die Kuh gern an. — Du brauchtest z. B. nicht den ganzen Mpere-Platz aus der Sonne in den Schatten zu tragen, sondern es hätte genügt, ein neues Loch im Schatten für unser Mpere-Spiel zu graben. — Ich sagte, das Wasser und der Topf meiner Mutter hätten die Regel; d. h. die Sklaven hatten gerade Wasser geschöpft und das Wasser war noch undurchsichtig. Ich mußte warten, bis der Schmutz sich setzte. — Ich sagte, ich hätte das alte Feuer von neuem scheiden müssen; d. h. als ich dahin kam, war das Feuer fast ausgegangen. Ich mußte es anblasen. Da flog die glühende Asche, das alte Feuer, davon und das neue hineingelegte Holz entzündete sich. — Ich sagte, meine Mutter verträte Gott. Meine Mutter ist die älteste Frau im Dorfe. Man hatte sie zu einer Entbindung gerufen. Gelingt die Entbindung, so sagt man: Gott hat für einen guten Ausgang der Sache gesorgt. Mißlingt die Geburt, so sagt man, Gott habe es nicht anders gewollt. Wenn meine Mutter nun dafür sorgt, daß ein schwieriger Fall doch noch gut abläuft, so vertritt sie Gott. — Ich sagte, meine Schwester schlägt sich mit zwei Männern. Das kommt so: zwei große Chefs wollen meine Schwester zur Frau haben. Nun kämpfen sie miteinander. Mein älterer Bruder verrichtet ein Werk, das gut ist; d. h. er sucht die beiden Männer miteinander zu versöhnen, und das ist ein gutes Werk. Du siehst, mein armer Alter, ich habe nicht gerade Dummheiten gesagt."

Der Alte sagte: "Nein, du hast die Kuh in Wirklichkeit verdient." Hamadi Uoloni nahm die junge Kuh, die noch nie geboren hatte, und brachte sie zu seinem Onkel, der hatte nur einen einzigen Stier, aber keine Kuh. Er sagte zum Onkel: "Bewahre mir meine Kuh auf!" Der Onkel sagte: "Sehr gern." Der Knabe sagte nichts zu seinen Eltern; er sprach an zehn Jahren nicht davon. Dann sagte er eines Tages zu seinem Vater: "Wir wollen eine Hürde bauen." Der Vater sagte: "Wozu das? Wir haben doch keine Herde. Wir haben weder Kuh noch Stier!" Der Knabe sagte: "Bauen wir nur die Hürde. Nachher gehen wir dann zu meinem Onkel."

Inzwischen hatten sich die Kühe stark vermehrt. Es war eine



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Herde daraus geworden. Hamadi Uoloni ging mit seinem Vater zu seinem Onkel und sagte: "Mein Onkel, nun gib mir die Herde, die aus meiner Kuh geworden ist." Der Onkel sagte: "Aber Junge, die Herde ist doch nicht von deiner Kuh, sondern von meinem Stier geboren worden. Sie gehört also mir!" Der Knabe sagte: "Gut, wie du meinst. Dein Urteil soll das selbst entscheiden. Jetzt brauchen wir nicht weiter darüber zu reden."

Der Knabe machte sich mit seinem Vater auf den Heimweg. Sie kamen an einen Sumpf. Der Vater sagte: "Ich will dich hinübertragen." Er nahm den Jungen auf die Schulter und trug ihn über das Wasser hin. Plötzlich sagte der Junge: "Laß mich absteigen, mein Vater, mein Fuß tritt auf einen Fisch." Der Vater setzte ihn ab und sagte: "Du dummer Junge! Erst machst du die Dummheit mit der Hürde und jetzt behauptest du, auf einen Fisch zu treten, wo ich im Wasser gehe und dich über das Wasser hintrage!" Der Bursche sagte: "Komm mir nach, wir wollen schnell das Urteil des Onkels einholen!"

Der Bursche ging voraus, der Vater folgte in einiger Entfernung. Der Bursche sagte: "Onkel, gib mir schnell eine Kalebasse mit Wasser!" Der Onkel fragte: "Wozu brauchst du das?" Der Bursche sagte: "Mein Vater hat unterwegs eine Tochter zur Welt gebracht." Der Onkel sagte: "Das ist ja Unsinn. Meine Schwester hat vielleicht noch ein Kind geboren. Aber dein Vater -das ist Unsinn. Männer können nicht Kinder gebären." Hamadi Uoloni fragte darauf den Onkel: "Also können Männer keine Kinder bekommen?" Der Onkel sagte: "Nein, nur Frauen bekommen Kinder." Der Knabe sagte: "Gut, jetzt hast du selbst geurteilt. Wenn mein Vater nicht Kinder gebären kann, so kann das dein Stier auch nicht. Dann ist die Herde von meiner Kuh geboren. Also gib mir meine Herde." Darauf mußte der Onkel die Herde geben.

Hamadi trieb mit seinem Vater die Herde heim. Der Knabe sagte: "Wir wollen die Herde teilen; eine Hälfte soll dir gehören, die andere mir. Zeichne deine Tiere." Der Vater sagte: "Es ist recht." Er nahm grüne Zweige und wand sie um die Hörner seiner Viehstücke. Darauf nahm der Bursche welke Zweige und wand sie um die Hörner seines Rindviehs. Als sie abends heimkamen, waren die Zweige an den Hörnern des väterlichen Viehes vertrocknet. Alle Tiere trugen vertrocknetes Laub. Der Knabe fragte: "Wo ist dein Vieh?" Der Vater sagte: "Ich kann es selbst nicht herausfinden. Jetzt gehört wieder alles dir." Der Bursche sagte: "Siehst



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du, du mußt nicht wieder zu mir sagen, daß ich ein dummer Junge bin, denn ich bin Uoloni, d. h. klug wie ein Rebhuhn." Der Vater sagte: "Das ist wahr." Darauf gab der Knabe wieder seinem Vater die Hälfte der Herde.

26. Der kleine Bruder

Ein König wollte eine Sunguru (Mädchen) heiraten. Der kleine Bruder begleitete seine Schwester in die Stadt des Herrschers und Gatten. Er war die einzige Begleitung seiner Schwester. Deshalb lachten die Leute über ihn und auch deswegen, weil er noch so ein junger Bursche war. Der Bursche fuhr aber mit der Hand einmal in der Luft herum und hatte sogleich die Augen aller derer, die gelacht hatten, in der Hand und steckte sie einfach in die Tasche. Die Leute baten: "Gib mir meine Augen wieder, es ist mir das Lachen vergangen." Er sagte: "Ich will für jedes Auge eine Kolanuß haben." Darauf gaben ihm alle Leute Kolanüsse für die Augen, und er erhielt so einen ganzen Sack voll.

Der kleine Bruder kam mit seiner Schwester beim König an, und dieser nahm sie bei sich auf. Nun wollte der König sehen, was das für Leute seien. Deshalb gab er abends, als die anderen (älteren) Frauen des Königs von ihm Finikesse (enthülsten Reis) erhielten, der jungen Frau nur Finikama (ungeschälten Reis), damit sie wie die anderen das Abendessen bereite. Als der kleine Bruder der jungen Frau des Königs das sah, reichte er dem König einige Felinkesse (Kürbissamen) hin und sagte: "Hier hast du auch die Kalebassen, in die meine Schwester die Reisgerichte füllen kann." Der König sagte: "Das kann man so nicht verwenden, denn man müßte den Samen pflanzen, ihn keimen, wachsen, blühen lassen. Dann müßte man die Kalebassen bereiten. Bis dahin sind die Reisgerichte meiner Frauen längst fertig." Da entgegnete der Bursche: "Wenn dir der Samen der Kalebasse nicht taugt, taugt meiner Schwester auch der ungeschälte Reis nicht." Der König sagte: "Der Bursche hat recht."

Am anderen Tage sandte der König den Frauen die Kühe zum Melken, der jungen Frau aber sandte er einen Stier und ließ sagen: "Sende mir die Milch dieser Kuh." Darauf sandte der Bursche dem König einige Kürbisblätter und ließ sagen: "Laß hieraus einige Kalebassen machen, in die meine Schwester die Milch deiner Kuh melken kann." Der König ließ antworten: "Aus Blättern kann



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man keine Kalebassen machen. Dazu braucht man die Früchte." Da sandte der Bursche den Ochsen zurück und ließ sagen: "Es ist so wie mit den Kalebassen. Ochsen kann man nicht melken, dazu braucht man Kühe."

Der König sagte: "Dieser Bursche ist mir unangenehm. Macht vor dem Hofe der jungen Frau eine tiefe Grube und deckt sie mit Matten leicht zu. Ich werde den Burschen über den Platz schicken, er wird da hineinfallen und verkommen." Die Leute machten die Grube, der Bursche stürzte hinein. Er grub sich aber einen Graben, der führte in das Gehöft seiner Mutter bis unter deren Töpfe. Da kam er heraus.

Am anderen Tage ging er zum König, um ihm guten Tag zu sagen. Der König sagte: "Du lebst ja noch! Du bist noch nicht tot?" Der Bursche sagte: "Nein, ich bin noch am Leben." Der König sagte: "Wie kann ich dich nur ums Leben bringen?" Der Bursche sagte: "Du mußt heißes Wachs auf meinen Kopf gießen lassen, dann werde ich tot sein." Der König ließ Wachs sieden. Als am Abend der Bursche in sein Haus ging, sagte der König: "Nun geht auf das Dach und gießt es herab. Er wird sogleich kommen!" Er ließ dann den Burschen von außen herrufen. Als man ihn von außen rief, sagte der Bursche zu den beiden Söhnen des Königs, die bei ihm waren: "Geht ihr eben hinaus und sagt, ich würde sogleich kommen." Darauf gingen die beiden heraus. Die Leute auf dem Dache gossen aber, wie ihnen befohlen war, das heiße Wachs auf die Köpfe der Herauskommenden, und da das die Königssöhne waren, so starben die beiden Söhne des Königs alsbald.

Am anderen Tage ging er zum König, um ihm guten Tag zu sagen. Der König sagte: "Du lebst ja noch! Du bist noch nicht tot?" Der Bursche sagte: "Nein, ich bin noch am Leben." Der König sagte: "Wie kann ich dich nur ums Leben bringen?" Der Bursche sagte: "Sehr einfach, du mußt mich in einen Korb stecken, den Korb zubinden, an den Fluß tragen und in den Fluß werfen lassen. So werde ich ganz bestimmt sterben." Der König sagte: "Das ist leicht zu machen." Der König ließ seine Leute kommen und einen großen Korb herrichten. In den Korb ließ er vor seinen Augen den Burschen stecken und befahl dann, ihn durch den Wald zu dem großen Flusse zu tragen und da hineinzuwerfen. Die Leute nahmen ihn auf und trugen den Korb durch den Wald dem Flusse zu. Der Bursche hatte am Morgen ein Tier getötet und dieses nahe dem Wege im Walde hingelegt. Als die Korbträger durch den



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Wald kamen, flogen einige Geier auf. Die Träger sagten: "Da muß etwas sein." Sie legten den Korb hin und gingen zu der Stelle.

Der Bursche hatte ein Messerchen bei sich. Als die Leute fort waren, fuhr er mit der Klinge durch die Maschen und schnitt die Schnüre durch. Dann schlüpfte er heraus. Es kam gerade ein reicher Marabut des Weges. Als er den Burschen neben dem Korbe am Wege sitzen sah, fragte er ihn: "Was machst du da?" Der Bursche sagte: "Ich lasse mich in dem Korbe da hintragen, wo alle Schätze und alles Gold liegen." Der Marabut sagte: "Ich will dir alles, was ich besitze, geben, wenn du mir erlaubst, mich an deiner Stelle dahin tragen zu lassen, wo alle Schätze und alles Gold liegen." Der Bursche sagte: "Ich bin damit einverstanden." Der Marabut kroch in den Korb, der Bursche band ihn fest zu und lief alsdann fort, so schnell er nur konnte. Nun kamen die Träger zurück, luden den Korb mit dem Marabut auf, trugen ihn zum Fluß und warfen den Korb in das Wasser. Sie glaubten, der Bursche sei darin, und der Korb ging sogleich unter.

Der Bursche ging aber in das Dorf des Marabuts, nahm alle Herden, Frauen, Sklaven und Goldketten des ertrunkenen Mannes und kehrte damit in die Stadt des Königs zurück. Alles das, was er so erworben hatte, schenkte er dann seiner Schwester, so daß sie eine wohlhabende und angesehene Frau wurde. Am anderen Tage ging er zum König, um ihm guten Tag zu sagen. Der König sagte: "Bist du noch nicht tot?" Der Bursche sagte: "Nein, ich bin noch am Leben." Der König sagte: "Wie kommst du hierher? Ich habe dich doch in den Fluß werfen lassen!" Der Bursche sagte: "An der Stelle, wo du mich hast in den Fluß werfen lassen, liegt unter dem Wasser ein reiches Land mit großen Schätzen. Ich kam in dem Korbe an und erhielt reiche Geschenke an Gold, Sklaven, Frauen und Herden. Jeder, der in das Land kommt, wird so beschenkt. Ich habe alles deiner Frau, meiner Schwester, geschenkt." Der König ging hin und sah, wie reich die Schwester des Burschen geworden sei. Er sagte: "Meine Familie und ich wollen ebenso reich werden." Er ließ für sich und alle seine Angehörigen ebensolche Körbe herstellen und sich und seine Familie dahinein binden. Dann gab er den Auftrag, alle Körbe an den Fluß zu tragen und an derselben Stelle hineinzuwerfen, an der der Bursche versenkt worden war. Die Leute taten, wie ihnen befohlen war.

Als die Familie des Königs ertrunken war, ging der Bursche zu den Kindern des Königs und fragte sie: "Bin ich nicht euer Vater?"



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Die Kinder sagten: "So ist es!" Er ging dann zu den Frauen des Königs und sagte: "Bin ich nicht der König, euer Mann?" Die Frauen sagten: "So ist es." So wurde der Bursche denn König.

27. Kallondji und sein Sohn

Kallondji (=Ndji der Lügner) und Tonjandji (=Ndji der Wahrhaftige, der immer die Wahrheit sagt) gingen zusammen auf Reisen. Tonjandji sagte: "Wer von uns beiden ist Silatigi ?" (= Reisechef, d. h. Leiter der Unternehmung, der das Wort führt usw.). Kallondji sagte: "Ich will Silatigi sein!" Tonjandji sagte: "Nein, ich will Silatigi sein." Kallondji sagte: "Nein, ich will Silatigi sein!" Tonjandji sagte: "Du kannst drei Tage vor mir abmarschieren, und ich werde dich in einer Stunde einholen. Deshalb ist es besser, wenn ich Silatigi bin." Da sagte Kallondji: "So sei du Silatigi; wir wollen es versuchen."

Die beiden wanderten ab. Sie kamen am Abend des ersten Tages an ein Dorf, dessen Häuptling begrüßte sie und fragte: "Wo kommt ihr her?" Tonjandji sagte: "Wir kommen aus Tonjadugu" (aus dem Lande der Wahrhaftigen). Darauf sagte der Dorfchef nichts, aber die zwei Wanderer erhielten nichts zu essen. Sie kamen am anderen Tage in ein Dorf. Es war die gleiche Sache. Sie bekamen wieder nichts zu essen. So ging es während drei Tagen, und als sie dann gar zu großen Hunger hatten, sagte Kallondji: "So geht es nicht weiter." Tonjandji sagte: "Nein, so geht es nicht weiter, jetzt kannst du einmal Silatigi sein." Kallondji sagte: "Gut!"

Sie kamen wieder in ein Dorf. In diesem Dorfe war gerade der Sohn des Häuptlings gestorben. Es war ein wunderschöner Bursche, und keiner kam ihm im ganzen Lande gleich. Als die beiden in das Dorf kamen, klagten alle Weiber, heulten alle Alten. Kallondji kümmerte sich nicht darum, sondern sagte (brüsk): "Guten Tag, ich will trinken, gebt mir Wasser!" Tonjandji sagte: "Gib acht, daß du die Leute nicht reizt; sieh, alle klagen!" Kallondji sagte: "Ach was! Was gibt es denn?" Die Leute sagten: "Der Sohn unseres Häuptlings ist gestorben, und das war der schönste Bursche im ganzen Lande!"

Kallondji sagte: "Was? Das ist alles? Könnt ihr ihn denn nicht wiedererwecken?" Die Leute sagten: "Nein, kannst du es denn?" Kallondji sagte: "Nichts einfacher wie das. Wenn ihr es wollt, kann ich das ja morgen früh tun. Zunächst gebt mir aber einmal



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Wasser zum Trinken, denn ich habe Durst." Die Leute sagten: "Wer so etwas kann, darf nicht Wasser trinken, dem soll man Milch bringen." Man brachte eine große Schale mit Milch. Alle Leute bemühten sich um Kallondji und Tonjandji. Der Dorfhäuptling kam auch herbei und sagte: "Du kannst meinen Sohn erwecken?" Kallondji sagte: "Nichts ist einfacher. Wenn du es zahlst, will ich es morgen früh ausführen." Der Dorfchef sagte: "Ich will dir zwei männliche und zwei weibliche Sklaven, zwei Kühe und zwei Pferde geben." Kallondji sagte: "Gut, also morgen früh!" Darauf kam nun jeder, der einen teuren Verstorbenen hatte, und setzte sich zu Kallondji. Der eine sagte: "Wenn du mir meinen im vorigen Jahre verstorbenen Vater erwecken willst, werde ich dir eine Kuh schenken." Ein zweiter sagte: "Wenn du mir meine vor zwei Jahren verstorbene Frau erwecken willst, sollst du von mir einen Sklaven erhalten." Kallondji sagte: "Gut, ich werde euch alle eure Toten morgen früh erwecken und ihr bezahlt mir das dann." Die Leute brachten Kallondji und Tonjandji sehr viel gute Speise. — Abends sagte Tonjandji: "Wollen wir nun nachts fliehen?" Kallondji sagte: "Warum denn? Morgen werde ich gut verdienen und wir werden ausgezeichnet essen."

In der Nacht machte sich Kallondji eine kleine Kalebasse zurecht zu einem Baranikurrukurru. (Dies Instrument wird auch Talimbrani genannt und besteht aus der aus Westafrika bekannten Blasekugel, über deren Löcher Membranen von Spinngeweben gezogen sind.) Am anderen Morgen fragte Kallondji: "Habt ihr schon das Grab gegraben?" Die Leute sagten: "Ja, das ist geschehen." Kallondji sagte: "So bringt den Toten dahin und laßt dort alles Volk zusammenkommen." Er ging selbst hin, stieg in die Grube und höhlte mit den Händen noch sorgfältig den Seitengraben aus. Dann sagte er: "Legt den Toten hinein und deckt ihn mit einem Tuche zu." Die Leute taten es. Kallondji kroch dann selbst unter das Loch.

Kallondji wandte nun erst den Kopf nach oben und rief laut durch das Tuch in der Richtung auf das versammelte Volk: "Nakunu" (d. h. "ich erwecken", soll heißen: "ich will dich wiedererwecken"). Dann beugte er sich vor und herab und sprach gegen den Boden in die Blasekugel: "Nilakunu inam b~ kunu" (d. h. "Wenn erwecken, mach alle erwecken", soll heißen: "Wenn du einen erweckst, dann erwecke uns andere Tote auch"). Das wiederholte er dreimal. Dann fuhr er aber empor: "Ach, das ist dumm!"



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Der Dorfhäuptling fragte: "Was ist dumm?" Kallondji sagte: "Es ist nichts Besonderes. Es ist da nur dein älterer Bruder, der vor dir das Dorf regiert hat, der will durchaus als erster und vor deinem Sohne erweckt werden. Wir werden ihm als dem ältesten Mitglied deiner Familie willfahren müssen. Warte also einen Augenblick, er ist sogleich am Leben." Der König sagte: "Nein, das will ich nicht. Das will ich auf keinen Fall, das will ich nicht." Er sagte das, denn der verstorbene ältere Bruder war ein sehr guter und beliebter Dorfchef gewesen, während er selbst rauh und unbeliebt war. Wenn nun der ältere Bruder wieder lebendig geworden wäre, so wäre es mit seiner Macht zu Ende gewesen. Der Häuptling sagte also aus diesem Grunde: "Nein, das will ich nicht." Kallondji sagte: "Das geht aber nicht anders. Entweder alle oder keinen, denn man kann nicht so unhöflich sein, einem so angesehenen Manne wie deinem ältesten Bruder den Vortritt vor einem so jungen Fant wie deinem gestern verstorbenen Sohn zu verweigern." Der Häuptling sagte: "So will ich, daß keiner erweckt wird." Kallondji sagte: "Und wer bezahlt mich dann?" Der Häuptling sagte: "Ich habe die Sache angeregt und werde dir deswegen zahlen, was ich versprochen habe." Kallondji sagte: "Gut denn!" Er stieg aus der Grube. Er erhielt die Bezahlung vom Häuptling und kehrte als wohlhabender Mann heim.

Kallondji starb als wohlhabender Mann. Er hinterließ eine Frau und einen Sohn, den diese Frau ihm geboren hatte. Als der Junge herangewachsen war, hatte er sehr bald sein väterliches Erbteil verschleudert. Es verblieb Mutter und Sohn nichts, als eine Stute und ein Ohrring, den die Mutter im Ohre trug. Als der Sohn Kallondjis derart fast alles verbraucht und verschwendet hatte, schalt die Mutter und sagte: "Pfui, schäme dich! Dein Vater hat durch geschicktes Lügen sehr schnell dieses Haus gefüllt und uns zu wohlhabenden Leuten gemacht. Du bist ein Taugenichts, der nichts von der Kunst seines Vaters geerbt hat." Der Sohn Kallondjis sagte: "Oho, das wollen wir erst einmal sehen."

Der Sohn Kallondjis sagte zu seiner Mutter: "Leih mir deinen goldenen Ohrring!" Die Mutter gab ihn. Der Sohn ballte ihn in einen Brei und warf den Ballen, wie man eben Pferden Medikamente gibt, dem Pferd in den Hals. Die Stute verschluckte den Ballen. — Am anderen Tage ritt er mit dem Pferde zum König und sagte: "Hier ist ein Pferd, das ist so ausgezeichnet, daß es sich nicht für einen gewöhnlichen Mann schickt. Es ist ein Pferd für einen König.



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Es macht nämlich, wenn es seinen Mist fallen läßt, immer Gold darin. Willst du es kaufen?" Der König sagte: "Das ist unmöglich. Das ist gelogen." In dem Augenblick hob das Pferd seinen Schwanz und ließ seine Pferdeapfel fallen. Der Sohn Kallondjis sagte: "Paß auf!" Er zeigte seine flachen leeren Hände, drückte einen der Mistballen auseinander und - da lag der Goldreif. Der König sagte schnell: "Was kostet das Pferd?" Kallondjis Sohn sagte: "Das Pferd kostet fünf Sklaven und fünf Sklavinnen." Der König gab dem Burschen schnell die zehn Sklaven, und damit kam der Sohn Kallondjis heim. Die Mutter sagte: "Was, so viel gewinnst du auf einer einzigen Reise?" Der Sohn Kallondjis sagte: "Das ist noch gar nichts. Paß auf, was weiter kommt!"

Der König ließ für die goldmistende Stute nun sogleich einen hohen Stall bauen, der war von einer mächtigen Mauer umgeben. Die Stute war darin. Dazu wurden sieben Pferdejungen hineingesperrt und dann die Türe zugemauert. Futter fürs Pferd und Essen für die Leute ward von oben durch ein Loch in der Mauer hineingeworfen. Der Mist ward darin auf einen großen Haufen geworfen. Nach drei Monaten rief der König alle seine Sklaven und Sklavinnen zusammen. Sie mußten sich ganz nackt ausziehen, und dann mußte die ganze Reihe mit Schüttelsieben den Mist durchschütteln. Er selbst stand daneben. Aber siehe! Es kam nicht ein Krümchen Gold zum Vorschein. Der König ward nun über alle Maßen wütend und sagte: "Der Sohn Kallondjis hat mich betrogen! Ruft ihn sogleich herbei; ich will ihn töten." Einige Leute gingen hin, um den Sohn Kallondjis zu rufen.

Der Sohn Kallondjis hatte gerade einen Hammel geschlachtet und ihn aufgeteilt, als die Leute kamen. Als er sie aus der Ferne kommen sah, füllte er schnell ein langes Darmende mit Blut und band es zu. Er ging in das Haus, band es seiner Mutter um den Hals und sagte: "Nun tue nur alles, wie ich es will. Verdecke den Darm mit deinem Kleide." Er ergriff einen Kuhschwanz und steckte' ihn in die Tasche. Die Leute des Königs kamen herein und sagten: "Der Sohn Kallondjis soll zum König kommen." Der Bursche sagte: "Ich komme gern. Mutter begleite mich!" Sie kamen zum König.

Beim König war große Versammlung. Der Sohn Kallondjis kam mit seiner Mutter herein. Der König sagte: "Du hast mich mit deiner Stute in einer ganz gemeinen Weise belogen. In den Pferdeäpfeln ist kein Gold. Ich will dich töten. Die Mutter des Sohnes



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Kallondjis sagte: "Nein, töte ihn nicht! Laß ihn leben!" Darauf aber stürzte sich der Sohn Kallondjis auf seine Mutter, warf sie hin und schnitt den Darm, der um ihren Hals gebunden war, durch. Darauf floß das Blut über die Erde hin und dem König bis vor die Füße. Die Frau blieb aber wie tot liegen.

Der Sohn Kallondjis sagte (gelassen) zum König: "Nun können wir die Angelegenheit mit dem Pferd erledigen." Der König sagte: "Nein, erst wollen wir das hier erledigen! Vor meinen Augen hast du deine Mutter getötet." Der Sohn Kallondjis sagte: "Diese Angelegenheit mit meiner Mutter ist ganz unwichtig, denn die kann ich ja natürlich jeden Augenblick wieder zum Leben erwecken. Dagegen ist die Sache mit den zehn Gefangenen, die du mir für meine goldmistende Stute gegeben hast, viel schwieriger." Der König sagte: "Was, du kannst deine Mutter ohne weiteres wieder zum Leben erwecken?" Der Sohn Kallondjis sagte: "Natürlich!" Der König sagte: "So tue das zuerst."

Der Sohn Kallondjis sagte: "So laß eine Kalebasse mit Wasser kommen!" Das Wasser kam. Der Sohn Kallondjis zog den Kuhschwanz hervor. Er tauchte ihn in das Wasser und sagte: "Mein Kuhschwanz, den ich von meinem Vater Kallondji empfangen habe, der ihn von seinem Vater empfangen hat - wenn du wahrhaftig mein Kuhschwanz bist, so mache diese Frau wieder lebendig." Damit schlug er auf seine Mutter, sie mit Wasser besprengend. Das wiederholte er dreimal. Dann erhob sich seine Mutter. Sie nieste. Der König fragte sogleich: "Diesen Kuhschwanz muß ich haben. Wieviel forderst du für deinen Kuhschwanz?" Der Sohn Kallondjis sagte: "Der Kuhschwanz ist mir nicht feil. Außerdem ist erst noch die Affäre mit der goldmistenden Stute und den zehn Sklaven, die du dafür gabst, zu erledigen." Der König sagte: "Die Angelegenheit mit dem Pferd wollen wir vergessen. —Aber der Kuhschwanz! So ein Kuhschwanz ist eine Sache für einen König. Ein König ist sehr oft zornig und tötet dann. Zuweilen tötet er aber in der Hitze Leute, die ihm teuer sind. Alsdann ist es ausgezeichnet, wenn er mit einem solchen Kuhschwanz die Leute wiedererwecken kann! Ich will dir noch zehn Sklaven für den Kuhschwanz geben!" Der Sohn Kallondjis sagte: "Du bist König. Wenn du durchaus willst, so will ich dir den Kuhschwanz für diesen Preis verkaufen." Dann nahm der Sohn Kallondjis wieder zehn Sklaven und ging mit seiner Mutter und dem neuen Besitz heim. Der König aber erhielt den Kuhschwanz.



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Eines Tages nun war der König betrunken. Seine Spielleute waren um ihn und sangen. Er wurde immer betrunkener. Dann rief er seine liebste Frau und sagte zu ihr: "Bring mir schnell Wasser zum Trinken, sonst schlage ich dich tot." Die Frau sah die Betrunkenheit des Königs und mußte sehr lachen. Darüber geriet der König aber in sehr großen Zorn. Er sprang auf und schlug seine Frau tot. Die Dialli standen bestürzt auf und wollten gehen. Der König sagte aber: "Bleibt! Trinken wir weiter! Das ist nachher schnell geregelt, denn die Frau kann ich jeden Augenblick wieder beleben!" Die Dialli sagten: "Tue es gleich, sonst verläßt uns nicht die Angst!" Der König sagte ärgerlich: "So bringt mir eine Kalebasse mit Wasser und den Kuhschwanz Kallondjis herbei!"

Die Sklaven gingen und brachten den Kuhschwanz Kallondjis und eine Kalebasse mit Wasser. Der König tauchte den Kuhschwanz ins Wasser und sagte: "Mein Kuhschwanz, den ich von dem Sohne Kallondjis empfangen habe, der ihn von seinem Vater Kallondji empfangen hat, der ihn von seinem Vater empfangen hat - wenn du wahrhaftig mein Kuhschwanz bist, so mache diese Frau wieder lebendig!" Damit schlug er auf seine Frau, sie mit Wasser besprengend. Das wiederholte er dreimal. Aber die Frau erhob sich nicht. Darauf schlug er wieder und wieder auf die Frau, bis der Kuhschwanz, der ein alter Kuhschwanz war, kurz und klein geschlagen war. Nun ward der König über alle Maßen wütend. Er schrie: "Bringt mir sogleich den Sohn Kallondjis. Er hat mich betrogen, und ich will ihn totschlagen!"

Die Boten kamen zum Sohne Kallondjis. Der aß gerade Erdnüsse. Sie sagten zum Sohne Kallondjis: "Komm sogleich zum Könige!" Der Sohn Kallondjis steckte den Rest der Erdnüsse in die Tasche und ging mit den Boten zum König. Er wollte sprechen; der König sagte aber: "Der Bursche darf nicht ein Wort reden! Nicht ein Wort. Sowie er spricht, ist man betrogen. Bringt eine Kuhhaut herbei!" Die Kuhhaut wurde herbeigebracht. Der Sohn Kallondjis wurde hineingewickelt. Die Kuhhaut wurde geschlossen. Dann wurde das Paket noch verschnürt. Während das geschah, schob der Sohn Kallondjis noch eine Handvoll Erdnüsse in den Mund. Als das Paket fertig war, sagte der König: "So, nun kommt; wir wollen den Sohn Kallondjis ins Wasser werfen. Ich werde selbst mitgehen, um zu sehen, ob es richtig geschieht."

Der König machte sich mit den Leuten auf. Zwei Leute trugen das Paket mit dem Sohne Kallondjis auf dem Kopfe. Sie kamen



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so bis an den Uferwald. Als sie im Uferwald angekommen waren, setzte eine schwer verwundete Antilope über den Weg. Ein Jäger hatte sie angeschossen. Der König rief: "Fangt sie!" Die Leute und der König sprangen sogleich hinterher. Die, die das Paket mit dem Sohne Kallondjis getragen hatten, legten es auch auf den Weg und sprangen mit hinter der Antilope her. Das Paket lag auf dem Wege. Diulla kamen des Weges; die hatten eben den Fluß überschritten. Als der letzte der Diulla vorbeikam, steckte der Sohn Kallondjis von den Erdnüssen in den Mund und aß. Er knackte im Munde die Erdnüsse. Der Diulla hörte das, blieb erstaunt stehen und sagte: "Das Paket ißt!" Der Sohn Kallondjis sagte: "O nein, das ist kein Paket, dem man so ausgezeichnete Sachen zu essen gibt. Das ist eine Menschenlast!" Der Diulla sagte: "Was ißt du?" Der Sohn Kallondjis sagte: "Ach, ich habe viel zuviel; mach ein wenig auf, dann gebe ich dir das übrige!" Der Diulla öffnete das Paket. Der Sohn Kallondjis sprang empor. Er war viel stärker. Er stopfte den Diulla in die Kuhhaut und schnürte das Paket wieder zu. Dann ging er von dannen.

Der König kam mit den Leuten von der Antilopenhetze zurück. Die beiden Träger nahmen ihr Paket wieder auf. Der Mann im Paket schrie: "Ich bin ein Diulla; ich bin ein Diulla! Ich bin ein Diulla!" Die Leute sagten: "Daß du ein Kaufmann bist, hat der König wohl bemerkt. Außerdem hast du ihn zu sehr belogen." Sie kamen an den Fluß. Der König sagte: "Steigt in ein Boot, fahrt in jener Richtung. Werft ihn dort vor dem Strudel, wo es am tiefsten ist, ins Wasser." Die Leute taten es. Der König paßte genau auf. Als es geschehen war, sagte er: "Nun ist es gut. Kommt heim!" Der König kehrte mit den Leuten in die Stadt zurück.

Der Sohn Kallondjis war inzwischen auch heimgegangen. Er verkaufte sein gesamtes Besitztum und handelte dafür schöne Kleider und Gold ein. Eines Tages war bei dem König große Versammlung. Da begab er sich an den Hof. Er hatte ein herrliches Kleid angelegt, wie man es hier im Lande noch nicht gesehen hatte. Die rechte Hand hatte er gefüllt mit Gold. Er kam in die Halle. Alle Leute, die da waren, murmelten: "Oh, welch schönes Kleid; oh, welcher Reichtum! O wie schön!" Der König selbst hätte beinahe etwas ausgerufen. Der Sohn Kallondjis ging aber direkt auf den König zu. Er reichte kühn die rechte Hand mit dem Golde zum König hinauf und sagte: "Dein verstorbener Vater läßt dir durch mich einen guten Tag sagen. Ich habe etwas von der Erde



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da unten aufgenommen und bringe es dir als kleines Geschenk. Dort unten ist nämlich alle Erde Gold." Der König sah das Gold. Der König fragte: "Hat dir mein Vater sonst nichts gesagt?" Der Sohn Kallondjis sagte zögernd: "Ja, er hat gesagt, du möchtest ihn doch einmal dort unten besuchen und sollest mich solange als Stellvertreter hier lassen." Der König sah das Gold; er sah die herrliche Kleidung; er sagte: "Ja, ich werde mich sogleich fertig machen." Der Sohn Kallondjis sagte: "Ich bin bereit, dich dahin zu bringen und dich dann hier zu vertreten, wenn du mir versprichst, sehr bald wiederzukommen. Denn ich habe mich da unten sogleich angesiedelt und habe 20 junge Frauen zum Geschenk erhalten. Deshalb will ich bald zurück." Der König sagte: "Ich verspreche es dir."

Ehe der Sohn Kallondjis den König in die Rinderhaut einwickelte, sagte er: "Paß genau auf den Weg auf! Da, wo du unten im Wasser ankommst, da ist gerade das Tor in die andere Welt." Der König sagte: "Laß mich nur an der rechten Stelle ins Wasser werfen!" Der Sohn Kallondjis sagte: "Darauf kannst du dich verlassen!"

Der Sohn Kallondjis brachte als Vertreter des Königs das Paket mit dem König hinaus und ließ es an derselben Stelle, an der der Diulla versenkt war, ins Wasser werfen. Als es untergegangen war, nahm er die Axt von seiner Schulter, warf sie auf die Erde und sagte zu den Sklaven des Königs: "Von jetzt ab bin ich euer König!"

So ward Kallondjis Sohn König. Wenn er und sein Vater das Lügen nicht verstanden hätten, wäre das sicher nicht geschehen.

28. Ertrotzter Reichtum (Bruchstück)

Es war ein Mann, dem hatte Gott nichts gegeben als einen einzigen Hahn (ngalla ma fussi daje fo du nu korami kelle). Er hatte einen Sohn, der hieß Nkalondji. Nkalondji sagte zu seiner Mutter: "Morgen werden wir viel Geld verdienen." Nkalondji ergriff den einzigen Hahn, den die Familie besaß, und tötete ihn. Er sammelte sorgfältig alles Blut. Er ging zum Fama (König). Er sagte zum König: "Gott ist bei mir am Baume herabgestiegen." Darauf sagte die Mutter: "Mein Sohn, du lügst ja. Gott kann nicht herabsteigen." Darauf tötete der Sohn sogleich seine Mutter. Der Fama sagte: "Tötet Nkalondji, denn er hat in meiner Gegenwart einen Menschen totgeschlagen." Nkalondji sagte: "Wozu das? Gib mir fünfhundert Franken, dann will ich meine Mutter wiedererwecken." (Schluß vergessen)

29. Bakurrobe

Eine Frau hieß Bakurrobe. Die wußte immer alles mit ihrem guten Rate zum besten zu kehren. Jeder, der zu ihr kam, brachte ihr ein Geschenk mit.

Ein junger Mann heiratete ein junges Mädchen. Bald darauf ging er auf Reisen. Als er zurückkam, fand er, daß ein fremder Mann bei seiner Frau schlief. Er nahm im Zorne ein Messer und schnitt ihm den Hals durch. Die junge Frau sagte: "Kennst du den, den du getötet hast?" Der Mann sagte: "Nein, es ist mir auch ganz egal, denn da er bei dir schlief, hatte ich das Recht, es so zu machen." Die Frau sagte: "Wir wollen Licht anzünden." Sie zündeten ein Bündel Stroh an und leuchteten den toten Mann ins Gesicht. Er fuhr zurück und sagte: "Das ist der Sohn des Königs."

Die Frau sagte: "Das ist nun eine schlimme Sache. Morgen wird man dich und mich töten." Der Mann sagte: "Ja, morgen wird der König mit uns bös verfahren." Die Frau sagte: "Wir wollen ein Geschenk nehmen und gemeinsam zu Bakurrobe gehen. Die wird uns einen Rat geben." Die beiden gingen also zu Bakurrobe und fragten sie um Rat. Bakurrobe sagte: "Das ist sehr einfach. Hier in der Stadt wohnt ein Schmied mit Namen Numu Mpie, der ist allgemein durch seine Grobheit bekannt, und wenn man, wie jetzt im Anfang der Nacht, zu ihm kommt und sagt: ,Mach' mir mein Messer ganz', so wird er sicher sagen: ,Mach' daß du fortkommst, ich habe jetzt keine Zeit.' Gehe zu dem, lehnt den Toten an die Tür und sagt: ,Mach' mir mein Messer ganz oder ich schneide mir den Hals durch.' Wenn er dann die grobe Antwort gibt, so laßt den Toten fallen und lauft fort." Der junge Mann sagte: "So ist es gut, ich werde es machen."

Er nahm den Leichnam, ging zum Numu Mpie und sagte an der Tür: "Mach' mir mein Messer ganz oder ich schneide mir den Hals ab." Der Numu antwortete: "Mach', was du willst, aber laß mich in Ruhe. Ich habe keine Zeit." Darauf ließ der Mann den Leichnam fallen und lief leise von dannen. Der Numu hörte den Fall. Er sagte: "Was ist denn das?" Er nahm Stroh zum Leuchten und ging heraus. Da lag ein Mann. Er leuchtete ihm ins Gesicht und sagte: "Das ist der Sohn des Königs, das ist eine schöne Geschichte." Er rief seine Frau und sagte: "Da hat sich der Sohn des Königs an unserer Haustür den Hals durchgeschnitten. Der König wird uns morgen alle beide töten lassen."



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Die Frau sagte: "Das ist böse. Aber wir können uns vielleicht guten Rat holen. Wir wollen Geschenke nehmen und gemeinsam zu Bakurrobe gehen, die wird uns einen Rat geben." Sie gingen also sogleich zu Bakurrobe und erzählten ihr diese Sache. Bakurrobe sagte: "Das ist sehr einfach. Vor der Stadtmauer wohnt der Räuber Suntji. Der ist sicher noch nicht daheim. Wenn er eine Beute hat, kommt er an die Mauer seines Gehöftes und sagt: ,Hrn.' Dann kommt sogleich seine Frau und nimmt die Sache über die Mauer. Packt also den Leichnam gut ein, geh hin, sag' über die Mauer ,hm', und duwirst die unbehagliche Last bald los sein." Der Numu sagte: "So ist es gut; ich werde es so machen."

Er nahm also den Leichnam, packte ihn mit seiner Frau sehr sorgfältig zu einem Ballen zusammen und trug ihn vor die Stadtmauer zum Gehöft des Räubers Suntji. Dort sagte er: "Hm!" Sogleich streckte die Frau die Hände über die Mauer. Die Frau des Räubers nahm das Paket in Empfang und sagte: "Heute hat mein Mann aber eine schwere Sache heimgebracht." Der Numu ging nach Hause. Nach einer Weile kam auch der Räuber selbst an das Gehöft, brachte den Ballen, den er heute gewonnen hatte, heran und sagte: "Hm!" Die Frau des Räubers nahm das Paket in Empfang und sagte: "Heute hat mein Mann mit zwei Unternehmungen Glück gehabt." Nachher kam Suntji herein und die Frau sagte: "Der erste Ballen, den du brachtest, war aber schwer; ich habe ihn kaum hereingebracht."Suntji sagte: "Der erste Ballen? Ich habe dir eben doch nur einen zugereicht!" Die Frau sagte: "Aber vorher hast du mir doch schon den großen, schweren Ballen gereicht." Suntji sagte: "Das war ich nicht, zeig' ihn mir!" Die Frau zeigte ihn. Suntje sagte: "Den Ballen kenne ich nicht. Ein Fremder hat ihn gebracht. Wir wollen sehen, was darin ist!" Er nahm sein Messer; er schnitt den Ballen auf; er sah den Inhalt; er sagte: "Das ist der Sohn des Königs! Ach, ich habe ihn nicht getötet. Ich habe ihn nicht getötet."

Die Frau sagte: "Das ist nun eine schlimme Sache. Morgen wird man dich und mich töten." Der Mann sagte: "Ja, morgen wird der König mit uns bös verfahren." Die Frau sagte: "Wir wollen ein Geschenk nehmen und gemeinsam zu Bakurrobe gehen. Die wird uns einen Rat geben." Die beiden gingen also zu Bakurrobe, erzählten ihr die Geschichte und fragten sie um Rat. Bakurrobe sagte: "Die Sache ist sehr einfach! Dort von der Stadtmauer aus könnt ihr ein Feuer im Busch sehen. Da sind zwei Jäger auf einem



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hohen Baum, die nehmen Bienenstöcke aus. Nimm den Leichnam mit dahin, tritt unter den Baum und sage: ,Gebt mir Honig oder ich schneide mir den Hals durch.' Die Jäger werden dir nichts geben. Lasse aber den Leichnam fallen und laufe leise von dannen." Der Räuber sagte: "So ist es gut, ich werde es so machen."

Der Räuber Suntji nahm den Leichnam, ging mit ihm unter den Baum, in dessen Wipfel die beiden Jäger arbeiteten, und rief: "Ihr Jäger, gebt mir von dem Honig oder ich schneide mir den Hals ab." Die Jäger riefen herunter: "Mach' was du willst, zieh dir unsertwegen die Haut ab, aber Honig werden wir dir nicht geben!" Darauf ließ Suntji den Leichnam fallen und schlich sich leise von dannen. Einer der Jäger sagte: "Was fiel denn da? War das ein Stück Holz?" Der andere sagte: "Sollte der Mann sich wirklich den Hals durchschnitten haben?" Der andere sagte: "Wir wollen nachsehen." Sie stiegen herab, sie leuchteten dem Toten ins Gesicht. Sie sagten: "Das ist der Sohn des Königs!"

Der eine sagte: "Das ist eine schlimme Sache. Morgen wird man dich und mich töten." Der andere sagte: "Ja, morgen wird der König bös mit uns verfahren!" Der eine sagte: "Wir wollen ein Geschenk nehmen und gemeinsam zu Bakurrobe gehen. Die wird uns einen Rat geben." Die beiden gingen also zu Bakurrobe, erzählten die Geschichte und fragten sie um Rat. Bakurrobe sagte: "Die Sache ist sehr einfach. Nehmt den Leichnam, hüllt ihn in frische weiße Kleidung und tragt ihn an den Hof des Königs. Lehnt ihn an die Türe des Frauenhauses. Schlachtet einen Hammel und nehmt dessen Blut mit. An dem Frauenhause gießt das Blut über ihn aus, so daß es aussieht, als ob er daselbst ermordet wäre." Die Jäger sagten: "So ist es gut, wir werden es so machen."

Die Jäger gingen heim, schlachteten einen Hammel und fingen dessen Blut auf. Sie nahmen weiße Kleider und das Gefäß mit Blut mit zu dem Leichnam. Sie kleideten den Leichnam in die weißen Gewänder und trugen ihn zum Gehöft des Königs. Hier lehnten sie ihn an die Türe des Frauenhauses in einer gewissen Stellung und gossen das Blut über ihn aus. Dann liefen sie von dannen.

In der Morgendämmerung erwachte der König und stand auf. Er blickte heraus und sah, daß ein Mann an der Tür des Frauenhauses stand. Er sagte: "Oho, da ist ein Mann, der-bei meinen Frauen schlafen will. Das ist stark." Er lief hin und holte ein Gewehr, das zwei Läufe hatte. Er lud alle beide Male. Er sagte: "Den will ich selbst wegschießen." Er nahm das-Gewehr in die



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Höhe und schoß. Er nahm das Gewehr und schoß noch einmal. Die Leiche unten stürzte hin. Der König sagte zu seinen Sklaven: "Lauft hinunter und schneidet ihm den Kopf ab. Ich will nachher sehen, ob es ein Freier oder ein Unfreier ist. Wenn es ein Freier ist, so will ich ihm Haus und Familie zerstören." Die Sklaven taten so und brachten den Kopf. Der König sah ihn. Er hielt die Finger vor die Augen. Er sagte: "Ich darf nicht nach der Schuld anderer Leute ausschauen, denn ich habe meinen eigenen Sohn getötet."

30. Dabarinkaba

In alten Zeiten konnten die Frauen die Männer schlagen, und kein Mann konnte sich dem entziehen. Eine Frau machte alle Tage Reis und Fleisch für ihren Akakamale (Buhlen), aber nur schlechten Kuskus (Baschi) für ihren Adje (Mann). Das ging so in einem fort, ohne daß der Adje dazu etwas tun konnte, die Verhältnisse zu ändern.

Eines Tages kaufte der Mann einen Sklaven (=djo-nke; nke Mann) mit Namen Dabarinkaba. Er sagte zu Dabarinkaba: "Alle Tage kocht meine Frau Reis und Fleisch für ihren Akakamale und für mich nur Baschi. Der Liebhaber hat es gut. Der Mann aber hat es schlecht." Dabarinkaba sagte: "Warte, das werde ich ändern. Übermorgen wirst du schon Reis zu essen bekommen." — Die Frau gab Dabarinkaba den Reis und das Fleisch, damit er es zum Liebhaber hinaustrage, und gab dem Manne den Baschi. Der Bursche Dabarinkaba tat in den Reis eine Kleinigkeit, die Magenschmerzen macht, und brachte ihn so dem Liebhaber. Als er am zweiten Tage wieder Reis brachte, jammerte der Liebhaber, daß er krank sei und den Reis nicht essen könne. Dabarinkaba sagte: "Ach, ich habe einen Freund, der versteht das gut zu arrangieren." Der Akakamale seiner Herrin ging mit. Dabarinkaba brachte ihn zu einem Freunde. Die beiden schnitten dem Manne den Arm auf, taten eine Kleinigkeit Gift hinein, und dann war der Mann sehr schnell tot.

Dabarinkaba ging zurück und brachte seinem Herrn den Reis. Dazu sagte er: "Die Leute werden dir noch mehr bringen."

Dabarinkaba stellte alsdann einen Sack aus Geflecht her. Er tat den Toten hinein und band ihn recht fest zu. Alsdann nahm er den Sack mit dem Toten auf die Schulter und trug ihn in den Busch. Er trug ihn zu einem großen Hause, das einsam draußen



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im Busch lag. In dem Hause wohnte ein Sunjala (Räuber) mit seiner Frau. Die Frau hieß Naninamina (d. h. "Komm! Nimm das!"). Der Bursche kam in der Dämmerung mit seinem Paket zu dem Hause.

Der Bursche kam mit seinem großen Sack herbei und rief die Frau: "Naninamina!" Die Frau kam heraus, nahm den großen Sack und sagte: "Ach, das ist schwer, was mag das Gutes sein!" Sie stellte den Sack beiseite. Dabarinkaba versteckte sich im Busch. Dann kam der Räuber mit einer großen Kiste herbei und rief: "Naninamina!" Die Frau kam heraus, nahm die große Kiste und sagte: "Ach, das ist schwer, was mag das Gutes sein!" Sie stellte die Kiste beiseite. Dann kam der Räuber nochmals mit einem Ballen Stoff herbei und rief seine Frau: "Naninamina!" und dann brachte er noch andere Ballen. Der Bursche versteckte sich nun im Hause. Der Räuber und seine Frau gingen zu Bett.

Am anderen Morgen sagte der Räuber: "Nun wollen wir sehen, was wir gestern gewonnen haben." Der Räuber öffnete die Ballen. Es waren schöne Stoffe und Kleider darin. Der Räuber öffnete einen zweiten Ballen. Es waren schöne Stoffe und Kleider darin. Der Räuber öffnete die Kiste. Es waren Gold, geschliffene Steine und Silber darin. Der Räuber öffnete den Sackkorb, da war die Leiche darin. Der Räuber sagte zu seiner Frau: "Wer hat das gebracht?" Die Frau sagte: "Du hast es gebracht mit den anderen Sachen."

Dabarinkaba kam herbei. Er tat, als komme er zufällig des Weges. Dabarinkaba trat herbei und rief entsetzt: "Oh, du hast den Sohn des Königs ermordet. Du hast den Sohn des Königs ermordet." Der Räuber sagte: "Nein, ich habe ihn nicht ermordet." Dabarinkaba sagte: "Oh, du hast, den Sohn des Königs ermordet, ich muß es anzeigen!" Der Räuber sagte: "Du willst es anzeigen?" Dabarinkaba sagte: "Ja." Der Räuber fragte: "Du willst es anzeigen ?" Dabarinkaba sagte: "Ja." Der Räuber fragte: "Du willst es anzeigen?" Dabarinkaba sagte: "Ja."

Der Räuber fragte: "Kann ich dich nicht bezahlen, daß du schweigst?" Dabarinkaba sagte: "Nimm alles, was du in diesem und im vorigen Jahr gestohlen hast und bringe es zu meinem Herrn. Wenn du das ehrlich tust, will ich dich nicht verraten, sondern will dir die Leiche des Sohnes des Königs wegschaffen." Der Räuber sagte: "Es ist mir recht."

Der Räuber trug alles Gut, das er in diesem und im vorigen Jahre



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gestohlen hatte, zu dem Herrn Dabarinkabas. Dabarinkaba nahm die Leiche, steckte sie in den Sack und trug sie von dannen. Er trug die Leiche ein gutes Stück weit in den Busch hinein.



***
Dabarinakaba kam mit seinem schweren Sack ziemlich weit in den Busch hinein. Er sah zwei Jäger, die stiegen auf einen Baum und suchten oben nach Honig. Dabarinkaba stellte seinen Sack beiseite und trat an den Baum. Er rief hinauf: "Was macht ihr da oben?" Der eine Jäger antwortete: "Wir sammeln Honig!" Dabarinkaba rief: "Gebt mir ein wenig von dem Honig ab!" Der eine Jäger antwortete: "Nein, wir geben nichts ab." Dabarinkaba rief: "Gebt mir von dem Honig ab oder ich werde sterben!" Der eine Jäger rief: "Nein, ich gebe dir nichts ab."

Da ging Dabarinkaba an seinen Sack, nahm den toten Mann heraus und lehnte ihn an den Stamm des Baumes. Der andere Jäger sah hinab. Er rief: "Was machst du da unten?" Der Tote antwortete nicht, und Dabarinkaba hatte sich versteckt. Der andere Jäger fragte nochmals: "Was machst du da unten?" Der Tote antwortete nicht. Darauf stieg der andere Jäger herab, stieß den Toten stark mit dem Fuß an, daß er umfiel, und fragte: "Was machst du da?" Der Tote antwortete nichts.

Der andere Jäger leuchtete dem Toten ins Gesicht und rief dann: "Er ist gestorben. Er rief dir ja hinauf, du sollest ihm Honig abgeben, sonst würde er sterben. Nun ist er gestorben." Der eine Jäger kam herab und sagte: "Was sagst du da! Ich habe gesehen, wie du ihn mit dem Fuße anstießest, so daß er umfiel. Du hast ihn getötet." Der andere sagte: "Nein, du hast ihn getötet." Der eine sagte: "Nein, du hast ihn getötet." Die beiden Jäger stritten hin und her, wer den Mann getötet habe.

Dabarinkaba kam durch den Busch herbei. Er sagte von weitem: "Na, was habt ihr denn da zu streiten?" Die Jäger riefen entsetzt: "Du darfst nicht näher kommen!" Dabarinkaba sagte: "Weshalb soll ich denn nicht näher kommen! Ihr habt wohl etwas Schlechtes getan?" Dabarinkaba kam näher. Dabarinkaba sah den Toten. Er sagte: "Oh, ihr habt den Sohn des Königs getötet! Deshalb soll ich nicht näher kommen! Oh, ihr habt den Sohn des Königs getötet! Oh, ihr seid schlechte Leute. Oh, ich muß euch anzeigen!" Der eine Jäger rief: "Ich habe ihn nicht getötet, der andere hat ihn getötet! Er hat ihm einen Fußtritt gegeben!" Der andere Jäger sagte: "Nein, ich habe ihn nicht getötet, der dort hat ihn getötet. Der Mann rief: ,Gebt mir Honig oder ich sterbe!' Mein Kamerad



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hat ihm das abgeschlagen. Da ist er gestorben. Als ich herunterkam, war er schon tot. Der Kamerad dort hat ihn getötet."

Dabarinkaba sagte: "Jedenfalls habt ihr den Sohn des Königs getötet. Ich muß es anzeigen." Die Jäger fragten: "Du willst es anzeigen?" Dabarinkaba sagte: "Ja!" Die Jäger fragten: "Du willst es anzeigen?" Dabarinkaba sagte: "Ja." Die Jäger fragten: "Du willst es anzeigen?" Dabarinkaba sagte: "Ja." Die Jäger sagten: "Können wir dich nicht bezahlen, daß du schweigst?" Dabarinkaba sagte: "Nehmt allen Honig zusammen, den ihr in diesem und im vorigen Jahre gewonnen habt, und bringt ihn zu meinem Herrn. Wenn ihr das ehrlich tut, will ich euch nicht verraten, sondern will euch auch noch die Leiche des Königs wegschaffen." Die Jäger sagten: "Es ist uns recht."

Die Jäger trugen allen Honig, den sie in diesem und im vorigen Jahre gestohlen hatten, zu dem Herrn Dabarinkabas. Dabarinkaba nahm aber die Leiche, steckte sie in den Sack und trug die von dannen. Er trug die Leiche aus dem Busch in die Stadt zurück.




***
Dabarinkaba nahm die Leiche des Sohnes des Königs und einen Gallama (Löffel) voll Honig und brachte die Leiche vor die Türe des Hauses, in welchem die Frauen des Königs lebten. Der König konnte Dabarinkaba nicht gleich sehen, er hörte aber seine Schritte und er sah, als er oben zum Fenster herausblickte, jemand an die Türe seines Frauenhauses gelehnt stehen, der unbedingt ein Mann war.

Der König ergriff Bogen und Pfeil und schoß einen Pfeil nach dem Mann. Dabei sagte er: "Wer wagt es, nachts in das Frauenhaus eines so großen Königs, wie ich es bin, zu gehen?" Der König schoß einen zweiten Pfeil. Er sagte: "Wer wagt es, nachts in mein Frauenhaus einzudringen? 1" Er schoß einen dritten Pfeil ab. Unten am Tore fiel der Körper des Toten um.

Am anderen Morgen ging der König selbst hinab, um zu sehen, wer da seinen Pfeilen erlegen sei. Er sah, daß es sein eigener Sohn war. Da begann er zu klagen: "Ich unglücklicher Mann! Ich hatte nur einen Sohn, der war mein Liebling, und den habe ich selbst erschossen. Oh, ich bin ein unglückseliger Mann!" Alles Volk in der Stadt sagte: "Der König hat heute seinen eigenen Sohn erschossen. Jetzt ist kein Mensch mehr seines Lebens sicher."

In der Stadt war ein kleiner, sehr kluger Knabe. Der sagte zum König: "Höre, du warst es ja gar nicht selbst, der deinen Sohn erschossen hat. Ein anderer hat deinen Sohn getötet. Warte bis morgen, so will ich dir den zeigen, der es gewesen ist." Der König



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sagte: "Ich habe meinen Sohn selbst erschossen. Wenn du aber irgendeinen Sinn darin siehst, so versuche es festzustellen, ob nicht vielleicht ein anderer die Tat begangen hat."

Am anderen Tage nahm der Bursche sein Kulilan u sirife (Rasiermesser). Er tat seine Zaubermittel darauf und warf es in die Luft, damit es die Hälfte des Schädels desjenigen rasiere, der den Sohn des Königs getötet hatte. Das Messer flog auf Dabarinkaba zu und rasierte dem die rechte Hälfte des Schädels.

Dabarinkaba erkannte aber den Sachverhalt. Er fing das Messer mit der Hand auf, behandelte es mit seinen Zaubermitteln. Darauf flog es über das Land hin und rasierte allen Burschen inder Stadt die rechte Hälfte des Schädels. Die Burschen der Stadt bekamen einen Schreck. Sie machten sich sogleich alle miteinander Mützen und stülpten diese über. Am anderen Morgen ließ der König die Burschen zusammen kommen. Alle kamen, nur Dabarinkaba sagte: "Was soll ich da, es ist ja doch nutzlos."

Die Burschen saßen rund herum. Der Berater des Königs trat in die Mitte und nahm dem ersten die Mütze ab. Der Bursche war halb geschoren. Der Berater sagte: "Da ist er ja schon!" Der König sagte: "Laß auch die anderen die Mützen lüften!" Alle Burschen lüfteten die Mützen. Sie waren alle halb geschoren. Der König sagte: "Es nützt nichts; glaube mir, ich habe es selbst getan!" Der Berater sagte: "Laß es mich noch einmal versuchen." Der Knabe nahm wieder sein Kulilan u sirife, tat seine Zaubermittel darauf und schleuderte es in die Luft. Das Messer schnitt in das linke Ohr Dabarinkabas einen tiefen Schnitt. Dabarinkaba fing aber das Messer auf, tat seine Zaubersprüche dazu und warf es wieder in die Luft. Das Messer schnitt in alle linken Ohren der sämtlichen Burschen der Stadt dieselbe Lücke. Die Burschen wurden wieder zusammen berufen, und der König sah wieder, daß alle gleich gezeichnet waren. Darauf sagte er zu seinem Ratgeber: "Laß jetzt alles Weitere! Ich weiß jetzt bestimmt, daß ich meinen Sohn selbst getötet habe. Wenn du so fortfährst, dann wirst du uns alle noch töten."

Seit dieser Zeit stammt die Sitte der Leute, Mützen zu tragen. Früher war das nicht so. Seitdem wollen aber schon die kleinsten Buben Mützen haben.



Copyright: arpa, 2015.

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