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Die Geschichte vom weifen Njal


Mit einer Karte


Übertragen von Andreas Heusler

Verlegt bei Eugen Diedrichs in Jena 1914


3. Hrut in Norwegen

Über Norwegen herrschte Harald Graumantel 2 ; er war der Sohn von Eirik Blutart; dem Sohne Harald Schön haars . Seine Mutter hieß Gunnhild, Tochter des Özur Toti. Sie und der König residierten damals in Kongelf 3.

Nun erfuhr man von der Ankunft des Schiffes in der Wik, und sobald es vor Gunnhild kam, fragte sie nach, was sich an Isländern auf dem Schiff befinde. Man sagte ihr, einer heiße Hrut und sei der Brudersohn des Özur. Da sagte Gunnhild: "Ich weiß schon, er wird seine Erbschaft holen wollen; aber in Verwahrung hat sie einer namens Soti ." Darauf rief sie ihren Kämmerer namens Ögmund: "Ich will dich nach der Wik schicken zu Özur und Hrut sag ihnen, ich lade sie beide zu mir ein für den Winter, und sie sollen einen Freund an mir haben, und wenn Hrut tut, wie ich will, werd' ich ein Auge haben auf seine Geldangelegenheit und was ihn sonst betrifft; ich werd' ibn auch beim König fördern."

Da sog er hin und suchte die beiden auf. Sobald sie aber wußten daß es ein Bursche der Gunnhild war, nahmen sie ihn gut auf. Er sagte ihnen seinen Auftrag insgeheim. Danach berieten sie unter vier Augen, was zu tun sei, und Özur bemerkte zu Hrut "Mir will scheinen, Neffe, unsern Entschluß haben wir schon! Ich kenne nämlich die Gunnhild: sobald wir nicht zu ihr wollen, wird sie uns aus dem Lande jagen und uns alles Geld mit Gewalt abnehmen; ziehen wir aber zu ihr, dann wird sie uns alle Ehre erweisen, wie sies versprochen bat."

Ögmund kehrte zurück, und als er vor Gunnhild kam, sagte er ihr seinen Bescheid, und sie würden kommen. Gunnhild sagte: "Das war zu erwarten, denn Hrut, sagt man, ist ein gescheiter



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und wackrer Mann. Paß du nun auf, wann sie zum Gehöft kommen, und sag es mir."

Hrut und der andere zogen hinauf nach Kongelf und als sie dort anlangten, kamen ihnen die Verwandten und Freunde entgegen und hießen sie willkommen. Sie fragten, ob der König im Gehöft sei, und man sagte ihnen, er sei da. Darauf begegneten sie dem Ögmund; er bestellte ihnen den Gruß der Gunnhild, und sie werde sie nicht zu sich einladen, bevor sie den König aufgesucht hätten, von wegen des Geredes, "daß es so aussehe, als hasche ich nach ihnen wie nach Gold. Aber ich werde (sagte sie) schon das meine beisteuern; Hrut soll nur gradheraus reden zu dem König und ihn um die Aufnahme ins Gefolge bitten. —Hier ist auch eine Hofkleidung, die sie dir schickt, Hrut, in der sollst du vor den König treten." Damit kehrte er zurück.

Tags darauf sagte Hrut: "Gehn wir vor den König" "Gut denn," sagte Özur. Sie gingen ihrer zwölfe: das waren alles verwandte von ihnen und Freunde. Sie kamen in die Halle, als der König eben beim Trunke saß. Hrut ging voraus und grüßte den König. Der König sah sich den Mann genau an in seinem guten Aufzuge und Sagte ihn nach dem Namen; er nannte sich. "Du bist ein Isländer:" sagte der König. Er bejahte es. "Aus welchem Antrieb kommst du vor unsa?' "Um Eure Hoheit 1 zu sehn, Herr, und auch darum, weil ich eine große Erbschaftssache habe hier im Lande: da werd' ichs Euch verdanken müssen, wenn ich mein Recht bekommen soll." Der König sagte: "Jedem hab ich den Schutz des Gesetzes zugesagt hier im Lande. Hast du noch weitere Anliegen an mich?' "Herr," sagte Hrut,"ich möchte Euch bitten um Aufnahme ins Gefolge und möchte Euer Mann werden." Der König schwieg. Da sagte Gunnhild: "Mir scheint, als biete dieser Mann Euch eine hohe Ehre an; denn es scheint mir, wenn viele solche im Gefolge wären, dann wäre es gut besetzt." "Ist er ein gescheiter Mann:" Sagte der König. "Sowohl gescheit wie tatkräftig," sagte sie. "Mir kommt vor, meine Mutter wünscht, daß du



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jeden Rang bekommest, um den du dich bewirbst. Aber in Rücksicht auf meine Hoheit und die Landessitte, so komm nach Ablauf eines halben Monats wieder zu mir: dann sollst du mein Gefolgsmann werden. Aber bis dahin mag meine Mutter dich beherbergen; dann such mich auf."

Gunnhild sagte zu Ögmund "Führe sie zu meinem Hause und richte ihnen dort ein gutes Gelage aus." Ögmund ging hinaus und die beiden mit ihm, und er führte sie in eine gemauerte Halle. Die war mit der schönsten Weberei tapeziert; dort stand auch der Hochsitz der Gunnhild. Da sagte Ögmund:"Jetzt wird sich bestätigen, was ich dir von Gunnhild sagte. Hier ist ihr Hochsitz; setz dich darauf: du kannst ruhig sitzen bleiben, auch wenn sie selber kommt." Danach bereitete er ihnen das Gelage. Sie saßen noch nicht lange, als Gunnhild eintrat. Hrut wollte aufspringen und ihr den Gruß bieten. "Bleib sitzen," sagte sie, "du sollst immer diesen Platz behalten, solange du mein Gast bist." Darauf setzte sie sich neben Hrut, und sie tranken zusammen Und am Abend sagte sie: " Du sollst heut Nacht bei mir in der Kammer liegen, wir zwei allein." "Wie Ihr befehlt," sagte er. Danach gingen sie zu Bett, und sie riegelte sogleich die Kammer zu, und die beiden schliefen dort die Nacht. Aber am Morgen gingen sie zum Trunke. Und diese ganzen zwei Wochen lagen die beiden nachts allein dort in der Kammer. Gunnhild sagte zu den Leuten im Hause:" Es kostet euch grade nur das Leben, wenn ihr jemandem erzählt davon, wie ichs mit Hrut halte 1 ."

Hrut schenkte ihr hundert Ellen Kleiderstoff und zwölf Schaffelle; Gunnhild dankte ihm für das Geschenk. Hrut brach auf und küßte sie und dankte ihr; sie wünschte ihm alles Gute. Und am Tag darauf trat er vor den König, mit dreißig Mann, und grüßte den König. Der König sagte: "Du wünschest wohl, Hrut, daß ich jetzt erfülle, was ich dir versprach." Danach wurde er Gefolgsmann. Hrut sagte:" Wo soll ich sitzen " " Das soll meine Mutter entscheiden," sagte der König. Darauf ver



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lieh sie ihm den vornehmsten Platz, und er lebte nun bei dem König den Winter über in gutem Ansehen.


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