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Edda Erster Band Heldendichtung


Übertragen von Felix Genzmer /Mit Einleitungen und Anmerkungen von Andreas Heusler

Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1912


30. Hildibrands Sterbelied

Das Beachtenswerte an dem kurzen Rückblick ist Str. 4, der Zug aus der deutschen Hildebrandsage: diese Klage des vaters um den wider Willen erschlagenen Sohn stellt uns offenbar den Schluß vor Augen, der dem altdeutschen Hildebrandliede entrissen worden ist.

Im übrigen hat dieser nordische Hildibrand mit dem deutschen fast nur den Namen gemein; sein Verhängnis ist ein anderes, es gipfelt in einem tragischen Bruderkampfe.

Hildibrand und Asmund sind Söhne einer Mutter. Als 'Ungehörige feindlicher Heere treffen sie zum ersten Male zusammen, und Hildibrand, der wilde Haudegen, muß sich zum Zweikampfe mit dem andern stellen, obwohl erden Bruder in ihm erkennt. Beide führen sie wunderbare Schwerter, aber des ältern Klinge zerschellt; tödlich getroffen, enthüllt er dem Sieger ihre Verwandtschaft. .

Einen isländischen Erzähler des 12. Jahrhunderts hai Hjalmars Sterbelied (Nr. 26) angeregt, die Abschiedsworte des Helden zu einigen wehmütigen Strophen aus ugestalten.



***
1
Dem Schicksalsschluß
Gar schwer entgeht,
Wer geboren ist
Zum Brudermörder:
Dich gebar Drot
In Dänemark,
Dieselbe Mutter
Mich in Schweden.



***
2
Zwei der Schwerter
Geschmiedet waren,
Budlis Klingen;
Nun brach die eine
Geschickte Zwerge
Schufen beide,
Wie vorher und nachher
Niemand es kann.



***
3
Zu Häupten steht mir
Zerhauen der Schild,
(Geziert mit Bildern
Und blinkendem Schmuck;)
Achtzig sind dort
Abgebildet,
Alle Fechter,
Die ich gefällt.



Thule-Bd.01-212 Edda Heldendichtung Flip arpa




***
4
Dort liegt mir zu Häupten
Der liebe Sohn
Der einzige Erbe,
Der mein Eigen ward;
(Ich liebte ihn
Von allem Herzen,)
Wider Willen
Ward ich sein Mörder.



***
5
Eine Bitte,
Bruder, hab ich,
Einen Wunsch nur;
Gewähr ihn mir!
Mit deinem Mantel
Bedecke mich,
Wie selten dem Toten
Der Sieger tut!



***
6
(Leid nur bleibt uns,
Verlässt uns das Glück;
Doch niemand wendet
Der Norne Spruch.)
Lebens ledig
Lieg ich nun bald,
von wundgieriger
Waffe gefällt.



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