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Märchen und Sagen


Mit 100 Bildern nach Aquarellen von Ruth Koser-Michaëls


Die Gräfin von Orlamünde

Es war ein Graf zu Orlamünde, Otto, der starb und hinterließ seine Gemahlin Agnes, die ihm zwei Kinder geboren hatte, als eine noch sehr junge Witwe. Sie war eine geborene Herzogin von Meran, und so war ihr als Erbe neben der Grafschaft Orlamünde in Thüringen auch die Plassenburg und deren Gebiet in Franken zugefallen, und sie wohnte bisweilen dort.

Da geschah es, daß sie eine heftige Liebe gewann zu Albrecht dem Schönen, Markgrafen von Brandenburg und Burggrafen zu Nürnberg, und heimlich forschen ließ, ob dieser wohl geneigt sei, sich mit ihr zu verbinden? ? Es war aber schon zwischen dem Markgrafen und der Gräfin Sophia von Henneberg eine Verbindung im Gange, welche des Markgrafen Eltern lebhaft wünschten, und Albrecht ließ die Äußerung fallen, als ihm unterderhand von der Neigung der Gräfin von Orlamünde Kenntnis zuging: "Wenn vier Augen nicht wären.

Dies hörte die Gräfin und deutete es auf ihre zwei schuldlosen Kindlein, das eine, ein Söhnlein von drei, das zweite, ein Töchterlein von zwei Jahren, und ward von unsinniger Liebe zu dem Markgrafen also verblendet, daß sie den schwarzen Entschluß in ihrer Seele faßte, die Kindlein aus dem Wege zu räumen. Darauf gewann sie mit Gaben einen Dienstmann, Haider, die Kindlein umzubringen, und als dieser zur Tat schritt, soll der kleine Graf gefleht haben:

Lieber Haider, laß mich leben,
Ich will dir Orlamünde geben;
Auch Plassenburg, das neue,
Auf daß es dich nicht reue!



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Und das Töchterlein:
Lieber Haider, laß mich leben,
Ich will dir alle meine Püppchen geben!

Der Mörder ließ sich nicht ersehen und vollbrachte die Untat, hat aber nachher auf der Folter bekannt, daß sie ihn schrecklich gereut habe, wenn er der Worte der unschuldigen Kinder, insonderheit des Mägdleins, gedachte.

Da nun die Gräfin ihren Zweck dennoch nicht erreichte, Seel sie in Reue und Verzweiflung, übte schwere Buße und fand auch nach ihrem Tode keine Ruhe, sondern wandelt als die bekannte weiße Frau auf dem Schlosse Plassenburg umher. Sie rutschte auf ihren Knien big zum Kloster Himmels und liegt alldort begraben.


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