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Märchen und Sagen


Mit 100 Bildern nach Aquarellen von Ruth Koser-Michaëls


Nibelung von Hardenberg und der Zwerg Goldemar

Im Jülicher Lande saß ein Edler des Namens Nibelung von Hardenberg, dem gehörten die Schlösser Hardenberg, Hardenstein und Rhauental, und bei ihm wohnte ein Zwergenkönig oder Elbe, der hieß Goldemar, der war dem Nibelung von Hardenberg und nicht minder dessen schöner Schwester sehr zugetan, gab Ratschläge und war hilfreich in allen Sachen. Und obschon der Eld Goldemar sich nicht sehen ließ, vielmehr stets unsichtbar blieb, ließ er sich doch deutlich wahrnehmen. Er trank Wein mit dem Ritter, spielte mit ihm und seiner Schwester mit Würfeln und spielte auch die Harfe gar wundersam, daß kein Mensch auf Erden ihr solche Töne entlocken konnte. Wollte Nibelung sich überzeugen, ob wirklich der Elbe bei ihm sei, so fühlte er nach dessen Hand, und die war sehr klein, zart, weich und warm.

Dieser Elb trieb es also drei Jahre lang auf Hardenbergs Schlössern und beleidigte niemand, da geschah es, daß er beleidigt wurde, denn die Hausgenossen, denen seine Anwesenheit unverborgen war, wurden von Neugierde geplagt, ihn zu sehen und doch zu erfahren, wie der Elbe aussähe. Sie streuten heimlich Asche auf den Fußboden und Erbsen, und Goldemar, der Zwerg, kam, sich nichts versehend, in den Saal und trat auf die Erbsen und glitt aus und fiel, und seine Gestalt drückte sich in die Asche ab. Die war aber wie eines sehr jungen Kindes Gestalt, und die Füße waren ungestaltet.

Nun kam der Elbe Goldemar nimmer wieder auf des Hardenbergs Schlösser. Er wandte sich anderswohin und entführte eine Königstochter, die hieß Hertlin. Die Mutter dieser Königstochter starb vor Leid über der Tochter Verlust, letztere aber ward durch den sieghaften Helden Dietrich von Bern, den alte Lieder feiern, befreit und von ihm geehelicht.

Manche sagen, daß dieses Bern, wovon der Held Dietrich den Samen geführt, nicht das Bern in der Schweiz, auch nicht das welsche Bern:



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Verona, gewesen, sondern das rechte Dietrichs-Bern sei Bonn gewesen, der älteste Teil dieser Stadt habe auch Verona oder Bern geheißen, und da in dieses rheinische Land und Gefilde so viele Taten Dietrichs von Bern fallen, von denen in alten Heldenbüchern viel zu lesen, so dürfte wohl etwas Wahres an der Sache und Sage sein.

Der Gezwerg Goldemar habe, nachdem ihm Dietrich die Beute abgedrungen, die Kiesen zu Hilfe gerufen und Berge und Wälder ringsum schrecklich verwüstet.

Die Stadt Elberfeld soll ihren Namen von nichts anderm tragen als von den Elben, auf deren Felde sie begründet ward.


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